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Weiter Kritik an Baumfällungen

dth Lüneburg/St. Dionys. Die Kritik an Baumfällungen in St. Dionys durch den Landkreis Lüneburg reißt nicht ab. Vergangene Woche, nach Beginn der Brut- und Setzzeit, fiel der nunmehr dritte große Baum in kurzer Zeit am nördlichen Ortseingang von St. Dionys an der Kreisstraße 12. Zweifel an der Notwendigkeit, die ehemals ortsbildprägenden Bäume zu entfernen, hegt auch Anwohner Hans Joachim Rohwer, Gärtnermeister der Fachrichtung Baumschule. Die Kritik weist zwar Robert Ruth, Leiter des kreiseigenen Betriebs Straßenbau und -unterhaltung (SBU), zurück, kündigt aber künftige Änderungen im Umgang mit Fällungen in Ortsdurchfahrten an und macht Gemeinden das Angebot, die Verantwortung für ortsbildprägende Bäume an Kreisstraßen an sie abzugeben.

Die Sägespäne liegen noch verteilt auf dem Grünstreifen als Gärtnermeister Rohwer kopfschüttelnd neben dem übriggebliebenen Baumstumpf der schätzungsweise rund 90 Jahre alten Eiche niederkniet. „Das Kernholz sieht sehr gut aus. Das ist zumindest ein Hinweis darauf, dass der Baum nicht krank war.“ Anders sehe das bei einem benachbarten Baumstumpf einer gefällten Linde aus, bei der das Holz graubraun von einem Pilz gezeichnet ist. Aber warum die dicke Eiche fallen musste, bleibt Rohwer ein Rätsel. Die Diagnose lautete, so der SBU, auf „Kronenvergreisung“. Dazu sagt Rohwer: „Dem kann man durch eine regelmäßige Baumpflege entgegenwirken. Natürlich ist es günstiger, den Baum zu fällen, anstatt zu pflegen.“

Den wiederkehrenden Vorhaltungen, der SBU wäre eher an dem Holzverkauf, denn an der Erhaltung der Bäume interessiert, begegnet SBU-Leiter Ruth auf LZ-Nachfrage mit einer Rechnung: „In der Saison 2012 haben wir aus Holzverkäufen einen Erlös von 2420 Euro erzielt. Aber damit mindern wir nur den Aufwand, um beispielsweise den Hubsteiger für bis zu 9000 Euro zu mieten, um auch Baumfällungen durchzuführen. Am Holzverkauf verdienen wir damit Null.“ Zudem gehöre die regelmäßige Baumpflege zu den Hauptaufgaben der SBU-Mitarbeiter, neben dem Winterdienst, „nicht das Fällen von Bäumen“, betont Ruth. Und: „Entlang unserer rund 390 Kilometer Kreisstraßen haben wir vorsichtig geschätzt rund 20 000 Bäume stehen. Die Anzahl zu fällender Bäume in der Saison 2012/2013 lag mit 88 Stück allerdings im Promillebereich. Davon 17 innerhalb von Ortsdurchfahrten, wo die Bürger das natürlich am ehesten wahrnehmen: zwei in Südergellersen, zehn in Bardowick, zwei in Wittorf und drei in St. Dionys.“

Welche Bäume gefällt werden sollen, wird jeweils im Herbst des Vorjahres festgelegt von der Baumschutzkommission des Landkreises. Die Kommission setzt sich zusammen aus einem Vertreter des Fachdienstes Umwelt des Landkreises, einem SBU-Mitarbeiter sowie einem externen Gutachter der Firma „Baumpflege Uwe Thomsen e.K.“ aus Pinneberg. Die von der Kommission erarbeitete Baumfäll-Liste wird dann abgearbeitet. Öffentlich einsehbar soll die Liste auch weiterhin nicht sein, sagt Ruth von der SBU, denn: „Wir haben keine Lust, mit Bürgern endlose Diskussionen zu führen, ob jede einzelne Baumfällung fachlich geboten ist.“ Aber als Reaktion auf die derzeitige Diskussion sagt Ruth: „Ich habe angeordnet, nach den nächsten Baumschauen im Oktober, November die betroffenen Gemeinden umgehend zu informieren und nicht erst wenige Wochen vor den geplanten Baumfällungen.“ Darüber hinaus hat Ruth für die Gemeinden ein Angebot parat. „Wenn morgen zehn Gemeinden sagen, dass sie die Pflege für Bäume an der Kreisstraße in ihrem Ort übernehmen wollen, habe ich übermorgen zehn Verträge parat“, sagt Ruth. „Damit sind aber auch Pflichten verbunden. Es ist immer eine Gratwanderung, ob man das Gut Baum schützt oder für Sicherheit im Straßenverkehr sorgt. Denn man darf nicht vergessen: Das sind keine Bäume, die in Parks stehen, sondern Straßenbäume.“

Auf den Vorhalt des Gärtnermeisters, dass die gefällte Eiche in St. Dionys ein gesundes Kernholz aufweise, entgegnet unterdessen der Gutachter Thomsen auf LZ-Nachfrage: „Die Schnittfläche mag gesund aussehen, aber die Krone war derart vergreist, dass es auf eine Unterversorgung durch das Wurzelwerk hindeutete, der Baum nur noch dahinsiechte und die Standfestigkeit infrage stand.“ Er attestiert den Kreismitarbeitern ansonsten „sehr viel Mühe“ in ihrem Bestreben, „die Bäume zu erhalten“.