Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Angemessener Beitrag zur Energiewende

as Lüneburg. Ein klares Bekenntnis zum Ausbau von regenerativer Energie hatte der Bauausschuss der Stadt schon vor einem Jahr gegeben. Damals votierte die Politik einstimmig für ein Vorranggebiet für Windkraftanlagen im Rahmen des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), das auch zum Teil auf Stadtgebiet liegt. Inzwischen hat der Landkreis, zuständig für das RROP, diese Vorrangfläche „Melbeck“ erweitert. Mehrheitlich bei einer Gegenstimme sprach sich der Ausschuss nun für diese Änderung aus. Der Tenor: Alle Bedenken seien ausgeräumt und auch Lüneburg müsse seinen Beitrag zur Energiewende leisten.

Matthias Eberhard, Bereichsleiter Stadtentwicklung, erläuterte eingangs, dass das RROP inzwischen zwölf Vorrangflächen mit insgesamt 930 Hektar im Landkreis Lüneburg ausweise. Das Vorranggebiet „Melbeck“ ist das einzige, das auch das Stadtgebiet im nördlichen Teil betrifft. Eine Nachbarfläche bei Embsen sei inzwischen gestrichen worden. Im Rahmen der 2. Änderung des RROP wurden zwei Flächen des Vorrangsgebiets „Melbeck“ zusammengefasst, zwischen denen ein Korridor für Strommasten verläuft, zu denen Windkraftanlagen Abstand halten müssen. „Dies ist textlich festgehalten. Es ergab aber keinen Sinn, diesen Abstand in der Zeichnung festzulegen. Denn die Größe des Abstands ist von der Höhe der Windkraftanlagen abhängig, und die genaue Höhe der Anlagen wird im Raumordnungsprogramm nicht festgelegt“, hatte der Landkreis jüngst in der LZ erläutert. Durch die Zusammenlegung ist die Fläche auf 91 Hektar angewachsen, auf Stadtgebiet sind es nun 17 statt vier Hektar. Ein Mindestabstand von 1000 Metern zur nächsten Wohnbebauung Langenstückenfeld wird eingehalten. Zum Pilgerpfad Süd sind es laut Eberhard mehr als 1000 Meter. Eberhard machte auch deutlich, dass Windkraftanlagen künftig sehr viel höher sein werden als bisher, 200 Meter und mehr. Das ist doppelt so hoch wie der Turm von St. Johannis. Rechnerisch seien fünf bis sieben Windkraftanlagen auf der Fläche zu erwarten.

Für die SPD sagte Hiltrud Lotze: „Wir haben keine Bedenken, weil wir uns für die Energiewende entschieden haben. Die größte Last liegt im Landkreis, deshalb halte ich es für angemessen, dass die Stadt dieser Fläche zustimmt.“ Carmen-Maria Bendorf, SPD-Ortsvorsteherin von Rettmer, zeigte sich sogar begeistert von dem Ergebnis. „Wir liegen mehr als 1000 Meter von der Vorrangfläche entfernt.“ Dr. Uwe Plath, Ortsvorsteher von Häcklingen, räumte ein, dass er anfänglich überrascht gewesen sei, dass das Areal auf Stadtgebiet erweitert worden sei. Doch dann habe er 20 Familien an der Südgrenze von Häcklingen dazu befragt: „Nur eine hat sich skeptisch geäußert.“ Ansonsten hätten die Leute positiv reagiert, weil man weg von der Atomkraft und hin zum Ausbau regenerativer Energien wolle.

Birte Schellmann (FDP) gab zu bedenken, dass mancher einen Mindestabstand von 1000 Metern bei Anlagen mit einer Höhe von 200 Metern und mehr für zu gering halten würde. Darüber hinaus beschneide man auch die Möglichkeit, Baugebiete an der Peripherie zu erweitern. Durch die erweiterte Vorrangfläche werde außerdem der Raum für Mensch und Tier weiter eingeschränkt. Der Ausschussvorsitzende Heiko Dörbaum hielt dagegen, dass es nie ein Votum für die Erweiterung von Baugebieten wie Pilgerpfad Süd und Langenstückenfeld gegeben habe. Eckhard Pols (CDU) gab der FDP-Frau zwar Recht, „dass wir dadurch unsere Entwicklung beschneiden. Aber ich sage auch: Wenn wir von Atomkraft, Gas und Kohle weg wollen, kann das nicht nur im Landkreis passieren“. Grünenchef Andreas Meihsies befand: „Der Standort ist verträglich und zumutbar, die Abstände sind eingehalten.“ Martin Behr, künftiger Bewohner von Pilgerpfad Süd, trug einen Wunsch in den Ausschuss: Eine Begrenzung der Höhe von Anlagen auf 135 Meter. „Denn je höher diese sind, desto größere Auswirkungen haben sie.“ Laut Eberhard könnte sich eine Höhenbegrenzung erst im Rahmen des Genehmigungsverfahrens ergeben.