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Vermieter stellen auf Durchzug

sp Lüneburg. Gespräche führen? Die Wohnsituation ihrer Mieter verbessern? Kein Interesse! So deutet die Stadt Lüneburg die Reaktion der ausländischen Investorengruppe TGE (Tshuva Group Europe) – oder besser gesagt: die Nicht-Reaktion. Zum zweiten Mal hat die Verwaltung die Eigentümer einiger Wohnblocks in Kaltenmoor unmissverständlich zum Gespräch über die Mängel in ihren Häusern geladen. Doch weder kam einer der Geschäftsführer oder ein Vertreter, noch gab es eine Absage oder einen Alternativtermin. Lediglich eine Vertreterin von der Wohnungsverwaltungsgesellschaft ELAD sei anwesend gewesen. „Enttäuschend, aber leider nicht überraschend“, findet das Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er kündigt an: „Wir bleiben dran, so kann man mit Mietern und mit der Stadt nicht umgehen.“ Immerhin vermietet die TGE in Lüneburg etwa 800 Wohnungen, vor allem im Bereich Theodor-Heuss-, Dietrich-Bonhoeffer-, Graf-von-Moltke- und Alfred-Delp-Straße.

Das Gespräch sollte ein erster Schritt sein auf dem Weg zur förmlichen Verpflichtung der Eigentümer, ihre Häuser im Sinne gesunder und angemessener Wohnverhältnisse herzurichten. Denn die Häuser der TGE liegen im Sanierungsgebiet, das Sanierungsrecht sieht vor, dass zunächst auf Freiwilligkeit zu setzen ist. Erst wenn nichts passiert, kann ein förmliches Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot erlassen werden. Dabei ist es vor allem notwendig, die Häuser energetisch zu sanieren: Die Gebäude stammen aus den 70er-Jahren, seither sei nach Kenntnis der Stadt weder in die Substanz noch in die Haustechnik entscheidend investiert worden. Mit Folgen für die Heizkosten: Seit Jahren klagen Mieter über zu hohe und nicht nachvollziehbare Abrechnungen. Bei einer beispielhaft von der Stadt unter die Lupe genommenen Wohnung sprang die Miete von kalt 5,79 auf warm 9,87 Euro pro Quadratmeter. Kein Einzelfall. Quartiersmanager Uwe Nehring liegen etliche vergleichbare Klagen vor.

Doch nicht mal das Angebot der Avacon, kostenneutral die Übergabestationen für Fernwärme in den Kellern der Häuser zu erneuern, habe die TGE angenommen. Die Verträge lägen laut Stadt seit Wochen bei der TGE zur Unterschrift vor. Umweltdezernent Markus Moßmann erläutert: „Die Avacon kann die Stationen nur erneuern, wenn der Hauseigentümer mit ihr einen Vertrag darüber abschließt, der auch eine gewisse Investitionssicherheit für die Avacon bietet.“

Oberbürgermeister Mädge fordert die TGE nun ein weiteres Mal dringend auf, sich zu bewegen. „Auch eine Investorengruppe mit Sitz im Ausland muss die erklärte Position von Rat, Bürgerschaft und Tausenden Mietern nach fairen Mietverhältnissen zur Kenntnis nehmen. Das fängt damit an, dass sie den Vertrag mit der Avacon schließt und sich einem Gespräch über Sanierungen stellt.“

Um die Investoren an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen – der Rendite durch regelmäßige Mietzahlungen – rät Mädge überdies allen Mietern der TGE-Häuser, die Unterstützung brauchen, Kontakt zu Quartiersmanager Uwe Nehring unter Tel.: 85 86 66 aufzunehmen, um weitere Schritte zu klären. Ebenso appelliert er an die Arge, die für rund jeden zweiten Mieter in den Häusern die Miete übernimmt, „dringend zu überprüfen, ob das Geld zu Recht und im Sinne des Sozialgesetzbuches überwiesen wird. Denn es geht schließlich um Steuergeld“.