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Im Knast gibt’s viel zu lachen

rast Lüneburg. Mit einem „Herzlich willkommen“ begrüßte Hausherr Rainer Stolze das Publikum, allerdings wohlwissend, dass sich die Gäste dieser geschlossenen Gesellschaft nicht allzugern in diesem Haus aufhalten. Und die Stars des Abends – das Improvisationstheater Heiß & Fettig sowie Comedian Gesa Dreckmann – nahmen’s mit Humor: Vor ihren Gags konnte und wollte dann auch niemand flüchten. Denn ihre Bühne hatten sie in der Justizvollzugsanstalt (JVA) am Markt.

„Zwei Stunden Abwechslung vom Gefängnisalltag“ versprach der Lüneburger JVA-Abteilungsleiter Stolze den rund 40 Inhaftierten und einigen ehrenamtlichen JVA-Helfern. Und die ermöglichte der in Dortmund beheimatete Kunst- und Literaturverein für Gefangene, der für sein Projekt „Kultur hinter Mauern“ Künstler für ehrenamtliche Auftritte in Gefängnissen gewinnt. Mit der Hamburger Stand-Up-Comedian Gesa Dreckmann hatte der Verein genau den Geschmack der Untersuchungshäftlinge getroffen. Aufgewachsen ist die 32-Jährige in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein, ihre Mutter stammt aus Haiti: „Sie hat braune Haut und vollere Lippen – wie Frauen auf Sylt. Nur: Auf Haiti kosten die volleren Lippen nichts.“ Ihre Mutter habe dort anfänglich Probleme gehabt: „Als schwuler Politiker wird man in Deutschland eher integriert als eine Ausländerin auf dem Dorf.“ Doch das sei dann doch schnell gegangen, denn die Mutter habe die drei Dinge gekonnt, die von Frauen auf dem Lande erwartet würden: „Kochen, waschen, saufen.“ Gesa Dreckmann machte sich her über Trash-TV mit Sendungen wie „Bauer sucht Frau“ und versprach Promi-Dinner-Teilnehmerin Fiona Erdmann eine strahlende Zukunft als Rapperin: „Denn mit 18 ist die Karriere als Top-Model beendet.“

Die Dreckmann-Show gefiel den Inhaftierten ebenso wie zuvor der Auftritt von Heiß & Fettig, das Lüneburger Impro-Theater spielte Geschichten, die es auf Zuruf des Publikums strickte. Auch hier gab’s reichlich Applaus – und den Beweis: Im Knast gibt’s hin und wieder doch ganz schön was zu lachen.