Mittwoch , 28. September 2016
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Kompetenz vor Alter

emi Bienenbüttel. Ein frischer Wind weht durch das Bürgermeisterzimmer in Bienenbüttel – und das liegt nicht nur an der geöffneten Balkontür und den frischen Osterglocken auf dem Schreibtisch. Im Chefsessel hat mit Dr. Merlin Franke (CDU) der jüngste hauptamtliche Bürgermeister Niedersachsens Platz genommen. Doch der 29-Jährige selbst findet daran „nichts Außergewöhnliches“, dass er in relativ jungen Jahren bereits die Geschicke einer ganzen Gemeinde lenkt: „Es gibt Bundesminister, die nur wenige Jahre älter sind als ich.“ Überhaupt: „Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Kompetenz“, findet er.

In seinen 29 Lebensjahren hat der „Neue“ schon so einiges erlebt und erreicht. Nach seinem Abitur in Bad Bevensen nahm er ein Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften auf, das ihn nach Peking, Washington und Halifax führte. 2009 promovierte er zum Thema „Kommunale Gebietsreformen in Norddeutschland“ und schloss 2011 als Doktor der Staats- und Wirtschaftswissenschaften mit „Magna Cum Laude“ ab.

2004 schlug Franke eine Laufbahn als Marineoffizier ein und führte zuletzt eine Stabsabteilung im Raum Hamburg. Wie man all das noch vor seinem 30. Lebensjahr schafft? „Viel arbeiten, wenig schlafen“, sagt Franke und lacht. Als „Überflieger“ mag er sich hingegen nicht bezeichnen: „Ich überlasse gerne anderen Menschen das Urteil und beurteile mich nicht selbst.“

Auf die Meinung anderer legt Franke auch beim Termin mit den Medienvertretern Wert. Nach dem Interview will er sofort wissen, was er besser machen könne. Der Medienrummel um seine Person sei „eine neue, schöne Erfahrung“, er „lerne gerne dazu“.

Seine Vorzimmerdame Andrea Lewing bestätigt: „Er freut sich über jeden Rat, ist immer sehr höflich und zuvorkommend.“ Dass er ein junger Chef sei, merke man vor allem an einer Sache: „Er schreibt viel selber. Sein Vorgänger Heinz-Günter Waltje hat öfter das Diktiergerät benutzt.“

Seit seinem Einzug ins Rathaus am 2. April hat sich der „Neue“ im Bürgermeisterzimmer bereits wohnlich eingerichtet. An der Wand gegenüber von seinem Schreibtisch hängt ein Foto seiner Unterstützer: „Das habe ich am Abend der Wahl bekommen“, sagt er, „ich gucke immer darauf.“

Die Entscheidung zu kandidieren, habe er sich reiflich überlegt, „denn das Amt ist mit sehr viel Verantwortung verbunden, es ist ein neuer Lebensabschnitt“. Frankes Arbeitstag fängt um kurz nach 7 Uhr an und kann, je nach Terminlage, schon mal bis Mitternacht dauern. An seinem neuen Job gefällt ihm besonders, dass er so vielfältig ist. An diesem Tag stehen neben Personalgesprächen und Pressetermin ein Besuch im Bienenbütteler DRK-Kindergarten, ein Abstecher zum Mobilheimplatz und eine Seniorenbeiratssitzung an.

Im Kindergarten empfangen die Kleinen den 29-Jährigen mit lauten „Bürgermeister, Bürgermeister“-Rufen. Als Franke sich in ihre Mitte setzt und aus einem Kinderbuch zu lesen beginnt, schlingen sich plötzlich kleine Ärmchen um ihn. Die Jungen und Mädchen wollen den Bürgermeister gar nicht mehr loslassen. An diesem Tag hat Franke die Herzen der Jüngsten erobert.