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Werder droht Punktverlust

ca Lüneburg. Wer geblitzt wird, ärgert sich. Mancher versucht, sich aus der Situation zu lavieren und behauptet, gar nicht gefahren zu sein. Alltag, und meistens können Behörden nachweisen, dass ihre Vorwürfe stimmen. Doch es gibt Ausnahmen, so wie den skurrilen Fall einer Lüneburgerin, die in Hamburg mit einem VW Geländewagen mit Bremer Kennzeichen über eine rote Ampel gefahren sein soll und kürzlich einen Bußgeldbescheid erhielt. Marie Schulz sagt: „Ich war’s nicht.“ Sie arbeitet als Journalistin für den NDR und hat recherchiert, wer wahrscheinlich hinter dem Steuer saß: die Freundin eines Bundesliga-Spielers von Werder Bremen.

Bei Werder Bremen sagt Mediendirektor Tino Polster, generell sei es so, dass VW dem Verein einen Pool von Fahrzeugen zur Verfügung stelle. Spieler könnten ein Fahrzeug in der Saison nutzen, der Wagen sei klar zugeordnet. Wenn es zu Verkehrsdelikten komme, sei es Sache des Spielers, dafür einzustehen: „Das ist dann seine Privatsache.“ Der Verein sei da „nicht in der Pflicht“.

Doch der Reihe nach. Am 19. Februar bekam die Lüneburgerin einen Bescheid aus Hamburg geschickt, ein Monat Fahrverbot, vier Punkte in Flensburg und 227 Euro Bußgeld. Sie habe am 3. August 2012 um 12.22 Uhr eine rote Ampel an der Julius-Vosseler-Straße in Hamburg missachtet. „Da war kein Anhörungsbogen dabei“, sagt die 28-Jährige, „nur der Vorwurf.“ Sie glaubte an einen Scherz und rief bei der Behörde an: Denn sie habe gar kein Auto, nutze auch keinen Wagen aus Bremen, habe zu dem Zeitpunkt nachweislich gearbeitet und sehe auch anders aus. Die Lüneburgerin erfuhr, dass das Auto auf den Fußball-Bundesligisten Werder Bremen angemeldet ist. Als Reporterin hatte sie im Nu herausgefunden, wer das Auto nutzt.

Es stellte sich heraus, dass die Freundin des Kickers den selben Vornamen trägt und eben auch den Geburtsnamen von Marie Schulz, die im vergangenen Jahr geheiratet hat. Sie selbst, sagt Marie Schulz, habe in Bremen studiert. An dem fraglichen Tag seien die Bremer an der Elbe zu Gast gewesen, aus Anlass des 125. Geburtstags des HSV. Sie teilte die Ergebnisse ihrer Nachforschungen der Bußgeldstelle mit. Sie rief den Verein an, sogar der Spieler habe sich gemeldet. Alles solle in Ordnung kommen. Er werde sich kümmern, sein Anwalt nehme Kontakt mit den Hamburger Behörden auf.

Nichts passierte. Bei einem ihrer vielen Telefonate habe ihr ein Mitarbeiter der Bußgeldstelle obendrein erklärt: Die Frau auf dem Foto, die als Modell arbeiten soll, sei sehr attraktiv. Er sehe eine Ähnlichkeit – „das ist doch ein Kompliment“. Eines, auf das Marie Schulz gerne verzichtet.

Gestern nun sollte die 28-Jährige sich vorm Hamburger Amtsgericht verantworten: „Für etwas, was ich nicht getan habe.“ Doch wenige Stunden zuvor habe ihr Anwalt angerufen und ihr mitgeteilt, dass das Verfahren eingestellt worden sei. Was die Lüneburgerin ärgert: „Es gab keine Entschuldigung, weder von den Behörden noch vom Verein oder dem Spieler und dessen Freundin.“ Vielleicht kann Werder Bremen die Wogen glätten. Karsten, der Mann von Marie Schulz, ist eingefleischter Werder-Fan, vielleicht kämen zwei Tickets für ein Heimspiel als Wiedergutmachung gut an.