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Wenn man(n) anders ist als die anderen

ca Lüneburg. Tim ist 15, wenn die anderen Jungen über Mädchen reden, kann er damit wenig anfangen. Um nicht aufzufallen, macht auch er die üblichen Sprüche. Doch eigentlich merkt er, dass bei ihm etwas anders ist, er eigentlich lieber Jungen mag. Das seinen Kumpels zu erzählen oder mit seinen Eltern darüber zu sprechen, traut er sich nicht. Er hat Angst vor ihren Reaktionen. Und damit ist er nicht alleine, wie Pascal Mennen vom Verein Schlau, das steht für Schwul Lesbische Aufklärung, berichtet: „Da Studien zufolge fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell sind, würde das bedeuten, dass in jeder Klasse ein oder zwei betroffene Schüler sitzen.“

Mennen, der selber schwul ist, und ein Dutzend Mitstreiter wollen in Schulen über das Thema informieren und für einen unverkrampfteren Umgang mit der gleichgeschlechtlichen Liebe werben. „Wir haben zwar einen schwulen Außenminister, aber so offen, wie oft dargestellt, ist die Gesellschaft nicht“, sagt der 29-Jährige, der selber als Lehrer arbeitet. Aus dem Schulalltag weiß er, dass schwul eher zu den Schimpfwörtern zählt, die aber oftmals gar nichts mit Schwulenfeindlichkeit zu tun haben: Wem eine Jacke oder vielleicht der Busfahrer morgens nicht gefällt, der nennt das Ganze schwul – im Sinne von schlecht, unangenehm, überflüssig.

„Wie soll sich da jemand dazu bekennen, schwul zu sein?“, fragt Mennen. Schulen seien sehr von der Mann-Frau-Beziehungswelt geprägt. Im Unterricht und in Schulbüchern spielten andere Formen von Zuneigung kaum eine Rolle: „Wer abweicht, ist schnell ein Außenseiter.“ Gerade in der Pubertät wolle man nicht am Rand stehen, sondern dazugehören. Es ist die Zeit, in der Sexualität und die Definition der eigenen Rolle als Mädchen oder Junge die Gefühlswelt durcheinander wirbeln. Mennen sagt, er habe drei Jahre gebraucht, bis er sich dazu bekennen konnte, dass er sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt.

Wie schwer es ist, auf eine diffuse Abneigung zu treffen, hat Mennen selber erlebt. Als er nach dem Studium als Lehrer an einer Schule anfing, hatten einige Schüler es pauschal abgelehnt, sich von ihm unterrichten zu lassen. Sein Rektor habe sich hinter ihn gestellt, es seien Gespräche mit den Betroffenen geführt worden – die Aufregung habe sich gelegt und die Schüler hätten gemerkt, dass er nicht anders sei als die anderen Pädagogen.

Genau so eine Erkenntnis wünschen sich Mennen und die Ehrenamtlichen in dem neuen Verein für den Schulalltag: „Wir werben für ein positives Klima.“ Sie gehen in den Unterricht, um zu informieren, erzählen von sich selber und von Spielarten der Sexualität, von Zuneigung und Respekt. Ein paarmal hätten Lehrer die Vierer-Teams, die aus Studenten, Referendaren und Lehrern bestehen, schon in Klassen geholt. Die Pädagogen hoffen auf weitere Offenheit und Einladungen. Denn das Thema gehe viele an.

Das Angebot ist kostenlos, allerdings bittet der Verein um eine Spende für Material und Fahrtkosten. Weitere Informationen finden sich auf der Seite www.lueneburg.schlau-nds.de im Internet.