Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Schwierige Landschaftsplanung

ca Lüneburg. Für mehr als zehn Millionen Euro entsteht am Wandrahm ein neuer Komplex für das alte Fürstentum- und das Naturmuseum. Das ist nur ein Teil der sogenannten Museumslandschaft, der zweite soll am Salzmuseum wachsen. Förderverein und Museumschef Dr. Christian Lamschus würden gern die Flächen des Neukauf-Marktes übernehmen. Der plant bekanntlich, aufs benachbarte Postgelände umzuziehen. Lüneburger Investoren haben das Areal gekauft und planen dort Neubauten. Doch kann aus einer Vision Wirklichkeit werden und wenn ja, wann? Darum ging es am Mittwochabend bei einer Versammlung des Fördervereins des Museums. Rund 80 Zuhörer waren gekommen, um vor allem Oberbürgermeister Ulrich Mädge zuzuhören.

Am Ende war klar, es braucht Millionen für einen Ausbau, geschickte Verhandlungen, um ein kompliziertes Vertragswerk der Eigentumsverhältnisse aufzuschnüren, und vor allem Geduld. Der Reihe nach.

Vereinsvorsitzende Dr. Uta Reinhardt und Museumschef Lamschus würden gern 4800 Quadratmeter Fläche übernehmen. Dort könnten Ausstellungen gezeigt werden, die derzeit eingelagert sind. Vor allem hätte die Enge ein Ende, so gibt es kaum Platz für Mitarbeiterbüros und eine Bibliothek, auch Werkstätten fänden in der riesigen Halle der alten Saline Platz. Zudem habe das Museum mit einem Sanierungsstau zu kämpfen: Wände zerbröseln in dem ehemaligen Salzlager, das Dach ist undicht.

Mädge schätzte allein die Baukosten auf bis zu zehn Millionen Euro. Doch das ist nur ein Teil. Um das Gelände zu erwerben, seien weitere Millionen nötig. Gerüchteweise ist von vier bis sechs Millionen die Rede. Der OB will das nicht kommentieren. Die Ursache liegt in vertrakten Eigentumsverhältnissen, die sind in der Geschichte begründet (siehe Kasten).

Mädge erinnerte daran, dass die Stadt die Museumsstiftung gegründet hat, die die Häuser betreibt. Klar sei, dass am Wandrahm zu Ende gebaut werde, bevor ein neues Projekt starten könne. Aktuell und alleine könne die Stadt das nicht stemmen. Der Blick ruht auf der Europäischen Union, 2016 beginne eine neue Förderperiode, aus Brüssel möchte die Stadt dann Millionen abzapfen. Beim aktuellen Bau liege die Fördersumme bei 50 Prozent, sagte der OB. Die Hoffnung: Diese Quote möchte man wieder erreichen. Dann blieben aber noch Millionen offen. Und Mädge machte deutlich, dass auch andere Bürger Forderungen stellen, für das Sanieren und den Ausbau von Schulen, Sporthallen, Straßensanierungen und Ausbauten.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Mädges Widersacher im Rat, Eckhard Pols, beschrieb die Lage ähnlich. Auch er setzte auf eine eher langfristige Umsetzung. Er sagte zu, in Berlin für das Vorhaben zu werben.

Mädge sagte, der Rat habe den Beschluss gefasst, dass Phase 2 der Museumslandschaft 2016 beginnen soll. Doch die Einwände, die Mädge zuvor selber genannt hatte, ließen unschwer den Schluss zu: Das ist ein Wunsch, vermutlich kann der Startschuss für den Ausbau des alten Salinengebäudes erst später fallen, Jahre später.

Bleibt die Frage, was nach dem Umzug des Neukauf-Marktes passiert. Ein halbes bis ein Jahr, sagte der Oberbürgermeister, werde es noch dauern, den Bebauungsplan für das Postgelände zu erstellen. Steht die alte Halle leer, könnte dort ein anderer Markt einziehen. Im Publikum meinte jemand, Rewe könne Interesse haben. Mädge sagte, vorstellbar sei auch, dass beispielsweise ein bestehender Elektronikmarkt in die Innenstadt wechsle. Da müssten dann Fragen zu Parkplätzen und Zufahrt geklärt werden. Das könnte einen eventuellen Mieter und eben auch den Inhaber des Erbbaurechts vor neue Herausforderungen stellen. Vielleicht sinkt ja dann der Preis.