Mittwoch , 28. September 2016
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Der ganz neue Nummernsalat

ahe Lüneburg. Die altbekannte Bankleitzahl hat bald ausgedient, die eigene Kontonummer ändert sich, ganz egal bei welchem Geldinstitut das Ersparte liegt: Das sind die beiden augenfälligsten Veränderungen für Privatkunden, die zum 1. Februar nächsten Jahres wirksam werden. Dann treten neue Regeln für den Zahlungsverkehr in den Ländern der Europäischen Union in Kraft. Single Euro Payments Area, kurz SEPA, heißt der gesetzliche Rahmen dafür. Er garantiert den Verbrauchern mehr Schutz, sorgt aber vor allem in Firmen durch ein verändertes Lastschriftverfahren zunächst mal für eine Menge Arbeit.

Eigentlich ist es noch lange hin, bis die Änderung in Kraft tritt. Doch gerade Verantwortliche in Unternehmen, aber auch in Vereinen und Kommunen sollten sich rechtzeitig informieren, denn sie müssen in ihrer Buchhaltung einiges umstellen, raten Finanzexperten wie Thomas Kruse und Olga Oldenburger von der Sparkasse Lüneburg. Deshalb hat das Geldinstitut extra ein eigenes Projektteam zusammengestellt und seine Kunden bereits über die anstehende Veränderung informiert – Firmenkunden, Vereine und Kommunen per Brief, Privatkunden über die Kontoauszüge. Darüber hinaus haben die Fachleute alle Neuerungen und den Handlungsbedarf gestern bei zwei Veranstaltungen in der Ritterakademie erläutert.

Kruse erklärt: „SEPA gibt es im Grunde schon seit 2008. Das Ziel ist vor allem ein einheitlicher und schnellerer Geldfluss. Nun steht die gravierendste Veränderung an: Alle nationalen Zahlungsverfahren werden am 1. Februar 2014 abgeschaltet.“ Heißt im Klartext für Otto Normalverbraucher: Will er künftig Geld überweisen, kann er mit den bisherigen Kontonummern und Bankleitzahlen allein nichts mehr anfangen. Fortan zählen nur noch die IBAN und die BIC. IBAN steht für International Bank Account Number, sie hat 22 Stellen: Die Länderkennung, eine zweistellige Prüfziffer, die bisherige Bankleitzahl, gefolgt von der aktuellen Kontonummer, die, sofern sie nicht schon zehnstellig ist, mit Nullen vorweg ergänzt wird. Herauskommen Buchstaben- und Zahlenungetüme, ein Beispiel: DE 47 24050110 0000452342. Dazu käme die BIC, die aus acht oder elf Stellen besteht und in Kurzform den jeweiligen Institutsnamen, das Land, den Ort und gegebenenfalls die Filiale beziehungsweise das angeschlossene Institut enthält. Im Fall der Sparkasse Lüneburg wäre das NOLADE21LBG. Das klingt kompliziert, doch Kruse beruhigt: „Bei Online-Überweisungen werden die Kennungen des Absenders automatisch aktualisiert. Kunden können aber auch zu uns an den Schalter kommen, dann helfen wir gern.“

Zwei weitere Veränderungen bringen Privatkunden mehr Schutz: Sie können Lastschriften, etwa wenn ihre Telefongesellschaft zu viel abgebucht hat, künftig acht Wochen lang zurückbuchen lassen, bislang geht das nur sechs Wochen nach Abbuchung. Liegt für das Lastschriftverfahren keine Einwilligung vor, beträgt die Frist für Rückbuchungen künftig sogar 13 Monate. Ebenfalls neu: Beim Onlinebanking können Kunden künftig schon vorher sehen, wenn eine Lastschrift ansteht – und für entsprechende Deckung sorgen.

Kruse erklärt, warum gerade Firmen, Vereine, aber auch Vermieter schon jetzt tätig werden sollten: „Das Gesetz sieht vor, dass alle, die Geld per Lastschriftverfahren einziehen, ihre Kunden über die Umstellung des Verfahrens informieren müssen. Außerdem brauchen sie eine Gläubiger-ID, die sie bei den Bundesbank beantragen müssen, und die neuen IBAN- und BIC-Nummern, sonst bekommen sie ja kein Geld mehr.“ Viele Banken wie die Sparkasse bieten ihren Kunden Hilfe an. „Auf unserer Internetseite haben wir Broschüren, Erklärfilme und sogenannte Konvertierungs-Tools, die die neuen Nummern automatisch generieren.“ Darüber hinaus, gibt Kruse zu bedenken, müssten Firmen ja rechtzeitig Briefbögen mit ihren neuen Bankdaten bestellen.