Mittwoch , 28. September 2016
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Schüler erkunden Stadt mit Fernrohr

rast Lüneburg. Der Blick durchs Fernrohr geht auf die Details: Drei der Terrakotta-Medaillons an der Fassade des IHK-Gebäudes zeigen Motive aus der Samson-Geschichte. Was hat der Richter aus dem alten Israel mit seiner unbezwingbaren Stärke, deren Geheimnis laut Altem Testament in seinen nie geschnittenen Haaren liegt, mit Lüneburg zu tun? Maureen Peter weiß, dass der Baumeister, der den Prunkbau im 16. Jahrhundert am Platz Am Sande errichten ließ, damit ein Zeichen seiner eigenen Stärke setzen wollte. Die 14-jährige Maureen aus der Klasse 9 fl 1 des Johanneums und Catrin, Carla und Barbara aus der 9 fl 2 hatten jetzt eine Klasse des Gymnasiums zu einer besonderen Führung eingeladen – erster Höhepunkt des noch jungen Projekts „Durch das Rohr schauen – Communauten zoomen ihre Stadtgeschichte“.

Entwickelt hat das Projekt, mit dem Kinder und Jugendliche per konzentriertem Blick auf höherliegende Details ihre Stadt und deren Geschichte entdecken, die Museumsstiftung Niedersachen. In der Hansestadt realisiert es die Lüneburger Museumsstiftung mit dem Stadtarchäologen Dr. Edgar Ring in aktueller Kooperation mit dem Johanneum, die allerdings auf andere Schulen ausgeweitet werden soll. Die landesweite Stiftung hat das Lüneburger Projekt 2012 ausgezeichnet und mit 1900 Euro gefördert. Mit dem Geld konnten unter anderem mehr als 30 Fernrohre angeschafft werden.

Die vier Jojo-Schülerinnen hatten sich nun intensiv auf ihre erste Führung vorbereitet, konzentrierten sich dabei auf den Bereich Am Sande und Am Berge. „Da gibt es viele geschichtliche Details zu entdecken, selbst mir war einiges neu“, sagt Dr. Ring. Auf dem ehemaligen Wellenkamps Hotel beispielsweise gibt es große Sandsteinbüsten, zwei mit Motiven des Künstlers Albrecht Dürer und des Bildhauers Peter Fischer. Die vier jungen Communauten wissen: Das Haus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte August Wellenkamp, der Gründer des Lüneburger Eisenwerks war Kunstsammler und zeigte so seine Verbundenheit zur Kunst.

Der Projekttitel „Communauten“ erinnert im ersten Wortteil an Begriffe wie Kommune, Kommunizieren und Community für Gemeinschaft, der zweite Teil weist wie bei den Astronauten auf den Entdeckerwillen hin. Zum Hintergrund sagt Joachim Werren, Generalsekretär der niedersächsischen Stiftung: „Das Stadterkundungsprogramm ist entwickelt worden, damit Kinder und Jugendliche ihr unmittelbares Lebensumfeld entdecken und sich mit der Geschichte und Kultur der eigenen Stadt auseinandersetzen. Denn regionale Identität entsteht bereits bei jungen Menschen. Ihre Fragen nach örtlicher Zugehörigkeit und die Neugier auf Wissen, Kunst und Kultur wollen geweckt, ernst genommen und gefüttert werden.“

Die Lüneburger Communauten hegen bereits weitere Pläne, wollen neue Rundgänge für andere Teile der Stadt entwickeln. Dr. Edgar Ring sagt: „Auch andere Schulen und Klassen können sich bei mir für das Projekt oder für Führungen anmelden. Denkbar ist auch, dass Führungen von Schülern für Erwachsene angeboten werden. Die Initiative könnte ans neue Museum angebunden werden.“ Ring hofft auf weitere finanzielle Förderer: „Dann könnten wir die Gruppen mit speziellen T-Shirts ausstatten, das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Und wir könnten Flyer für die einzelnen Touren entwickeln.“

Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es bei Dr. Edgar Ring unter Tel.: 7 20 65 50.