Dienstag , 27. September 2016
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Anna mit den schnellen Händen

ahe Lüneburg. Lucky Luke schießt schneller als sein Schatten, heißt es über den Comic-Cowboy. Anna Struck ist ganz real, doch die 18-Jährige ist ähnlich flink mit ihren Händen. Sie stapelt Becher zu Türmen, so schnell, dass der Beobachter Mühe hat, ihr mit den Augen zu folgen. Sport Stacking heißt das. Gerade war sie bei den Weltmeisterschaften in den USA. Mit einem zweiten, fünf dritten und zwei vierten Plätzen ist sie nach Lüneburg zurückgekehrt.

Anna Struck ist eine Hochstaplerin. Eine, die anderen was vormachen kann: wie man aus Plastikbechern rasend schnell Pyramiden auf- und wieder abbaut. Klack, Klack, Klack. Immer wieder geht das so. Einmal angefangen, scheint sie gar nicht mehr aufhören zu können. Denn vielleicht könnte sie beim nächsten Versuch ja noch eine Hundertstelsekunde schneller sein. Neun Becher zur Pyramide auf- und wieder abbauen – das schafft sie in zwei Sekunden.

Im Fernsehen hatte sie vor einigen Jahren mal einen Bericht über das Becherstapeln gesehen und Lust bekommen, es auch mal zu versuchen. Da passte es prima, dass es an ihrer Schule eine Arbeitsgemeinschaft gab, in der andere Jugendliche sich ebenfalls daran erprobten. Seither holt Anna ihre Becher regelmäßig hervor, nicht nur in der Schule, auch zu Hause übt sie, vor wichtigen Wettbewerben täglich. Die Weltmeisterschaft in Orlando war ihr bisheriges Highlight.

Eigenlich hatte sie schon im vergangenen Jahr an den Titelkämpfen teilnehmen wollen, doch ausgerechnet als sie für ein Austauschjahr in den USA weilte, fand die WM in Deutschland statt. Die Lüneburgerin musste passen. Diesmal allerdings nominierte der Bundestrainer sie für das „Team Germany“, obwohl ihr eigentlich ein erforderliches Turnier für die Qualifikation fehlte. Doch der Trainer hatte Vertrauen in die Gymnasiastin, die im nächsten Jahr ihr Abi bauen will. Er sollte nicht enttäuscht werden.

Platz 2 in der Staffel, fünf dritte Plätze und zweimal auf Rang vier lautete ihre beeindruckende Bilanz. Wie die 52 anderen deutschen Starter trat sie in Florida in mehreren Kategorien an, die 3-3-3, 3-6-3 oder Cycle heißen, in Einzel- und Doppelwettbewerben ihrer jeweiligen Altersklasse war sie ebenso dabei wie in der Staffel. In allen Sparten geht es stets darum, entweder neun oder zwölf Becher in einer vorgegebenen Folge auf- und wieder abzubauen. Es gibt stets drei Versuche, der jeweils schnellste Hochstapler gewinnt. „Im Doppel spielt jeder Spieler mit einer Hand“, erklärt die 18-Jährige, „ich bin immer die rechte.“

230 Mädchen, Jungen und Erwachsene aus 16 Nationen waren bei den Titelkämpfen am Start – gerade das macht für Anna Struck auch einen wesentlichen Reiz der Becherstapelei aus. „Man lernt ständig neue Leute kennen, aus verschiedenen Ländern und auch Ältere, mit denen man sonst nichts zu tun hätte. Und bei den Turnieren herrscht immer eine unglaubliche Atmosphäre.“ Bei aller Konkurrenz seien die meisten Sport Stacker freundschaftlich miteinander verbunden. So habe sie sich auch für ihre Freundin gefreut, „die fast überall Erste geworden ist“. Schon bei den Deutschen Meisterschaften hatte ausgerechnet die dafür gesorgt, dass sie sich selbst mit sieben zweiten Plätzen begnügen musste – in allen Wettbewerben war eben jene Freundin stets den Bruchteil einer Sekunde schneller. Dass sie dennoch mit ihrer aktuellen Leistung vollauf zufrieden sein kann, daran erinnern sie ein brandneuer Pokal und ein ganzer Schwung Medaillen.

Ein kurzes Video der 18-Jährigen beim Becherstapeln gibt es unter www.landeszeitung.de im Internet.