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Gedenkplatte spurlos verschwunden

pet Adendorf/Lüneburg. Erhard Rölcke liebt Geschichte. Vor allem lokale Geschichte. Und er forscht gern. Unter anderem eine umfangreiche Chronik des Lüneburger SK hat Rölcke schon geschrieben, zurzeit arbeitet der Adendorfer an der Chronik zum 100-jährigen Jubiläum der Lüneburger SV. Während der Arbeiten daran ist er auf alte Fotos und Informationen über eine Gedenkplatte für Hermann Niemann gestoßen. Niemann war einer der Gründer der Freien Sportvereinigung – einer der Vorgängervereine der LSV – und er war aktiver Lüneburger Sozialdemokrat, der 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben kam. Die Platte ist verschwunden – und genau das hat in Rölcke den Detektivinstinkt geweckt. Er fragt: „Wo ist die Gedenkplatte? Kann jemand Hinweise über deren Verbleib geben?“

Die Inschrift der Gedenkplatte lautet: „Hermann Niemann – 1886 bis 1940 – Du warst und sollst uns ein Vorbild bleiben.“ Wobei sich der Verfasser der Inschrift geirrt hat, „denn Niemann wurde schon 1882 geboren“, sagt Rölcke.

Was der Hobby-Historiker noch herausgefunden hat: Am Sonnabend, 18. Juni 1948, wurde der Gedenkstein für Hermann Niemann – eine Metallplatte auf einem großen Findling – auf dem Sportplatz der Freien Sportvereinigung Lüneburg (FSL) am Pulverweg eingeweiht. Der Platz erhielt den Namen „Hermann-Niemann-Platz“. Als am Pulverweg neun Jahre später Platz für die Hallen der Lucia Strickwarenfabrik gebraucht wurde, zog die FSL zu den Sülzwiesen.

Auch der neue Platz hieß Hermann-Niemann-Platz, auch dort gab es einen Gedenkstein für Hermann Niemann – versehen mit der beschrifteten Metallplatte. Erhard Rölcke selbst hat Gedenkstein und Platte dort 1963 gesehen: „Anlässlich des 50-jährigen Bestehens veranstaltete die FSL ein Jubiläumsturnier. Dabei gab es auch eine Kranzniederlegung am Ehrenmal. Als Spieler des LSK war ich damals dabei.“

Als 1988 die Lüneburger SV, 1971, aus der Fusion von FSL und Hagener SV hervorgegangen, ihr 75-jähriges Jubiläum feierte, tauchte das Hermann-Niemann-Ehrenmal in der Presse noch einmal auf: Der zwischenzeitlich verloren gegangene Gedenkstein wurde im Zuge des Jubiläums an anderer Stelle auf dem Sportgelände wieder aufgestellt.

Erhard Rölcke: „Als die Lüneburger SV 1995 an die Schützenstraße zog und deren Platz vom VfL Lüneburg übernommen wurde, ist das Ehrenmal dann vermutlich in Vergessenheit geraten.“ Zweimal suchte Rölcke Anfang dieses Jahres das Gelände östlich des Graswegs ab – vergeblich. Horst und Marlies Gienke, Rölcke hatte sie, wie viele ehemalige FSLer und „alte“ LSVer, angesprochen, hatten dann die entscheidende Idee. Sie selbst suchten auf dem Gelände – und fanden den Stein. Rölcke: „Der Gedenkstein, ohne Platte, lag in einem dichten Gebüsch auf dem Sportplatz. Versehen mit vier Löchern, in denen die Gedenkplatte früher einmal festgeschraubt war.“

Aber die Gedenkplatte bleibt weiter verschwunden. „Es wäre doch sehr schön, wenn sie wieder auftaucht. Vielleicht hat sie jemand im Keller oder auf dem Boden? Vielleicht kann jemand einen Hinweis auf den Verbleib geben.? Vielleicht weiß jemand, wohin sie gekommen ist?“ Erhard Rölcke würde sich freuen, wenn Stein und Platte anlässlich des LSV-Jubiläums im Juni und im Gedenken an Hermann Niemann am Platz an der Schützenstraße wieder installiert werden könnten. Wer ihm bei der Suche helfen will, kann ihn anrufen (Tel.: 04131/18 61 92).

Aber auch, wenn die Gedenkplatte für Hermann Niemann nicht wieder gefunden wird, können sich die Verantwortlichen der Lüneburger SV schon freuen. „Wir werden den Gedenkstein aufarbeiten, eine neue Gedenkplatte auf unsere Kosten anfertigen lassen und das dann der LSV zum Jubiläum übergeben“, kündigt Uwe Walther, Präsident des VfL Lüneburg, an.