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Lernen mit der Landeszeitung

pet Bardowick/Lüneburg. Immerhin 16 Hände gehen nach oben auf die Frage, in welcher Familie denn die Landeszeitung regelmäßig ins Haus kommt. Viel weniger, sechs oder sieben Mädchen und Jungen, melden sich auf die Frage, wer denn selbst „mehr oder weniger regelmäßig“ auch in die Zeitung hineinsieht. In den kommenden fünf Wochen werden alle 28 Schüler der Klasse 8.2 der Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule (Haupt- und Realschule) Bardowick sich täglich mit der LZ beschäftigen – sie nehmen teil am Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“, das gestern für etwa 300 Schüler in 16 Klassen an allgemeinbildenden Schulen, an den Berufsbildenden Schulen und in einer Förderschulklasse in Hansestadt und Landkreis Lüneburg begonnen hat.

Zum ersten Mal im Jahr 2008 hatten die Landeszeitung, die Universität Lüneburg und das Netzwerk Leseförderung das Projekt auf die Beine gestellt – in diesem Jahr findet die sechste Auflage statt. Auslöser für die Initiative war die internationale PISA-Studie, die damals deutschen Schülern nur „durchschnittliche Leseleistungen“ bescheinigte. Sechs Wochen lang, bis zum 24. Mai, ist die Landeszeitung nun tägliche Lektüre für die beteiligten Jugendlichen.

Gemeinsam mit Klassenlehrer Claus-Dieter Meyer-Kybranz stehen Annjulie Siegmund und Laura Wittram, Lehramtsstudentinnen im 4. Semester an der Leuphana Universität, gestern früh vor der Klasse 8.2. Sie gehören zu den Studierenden, die an der Leuphana Universität das von Klaus Schröder geleitete Seminar „Projekte und Praxis“ im Rahmen des Komplementärstudiums gewählt haben.

„Heute sind wir noch als Hospitantinnen dabei, ab nächste Woche sollen wir den Unterricht für fünf Wochen jeweils in der Doppelstunde Deutsch am Montag eigenverantwortlich leiten“, erzählen sie. Dabei helfen soll ihnen der Zeitungsworkshop mit Burkhard Wetekam (Akademie für Leseförderung Niedersachsen), der gestern Nachmittag in der Universität stattfand.

Für die Mädchen und Jungen aus der Realschulklasse 8.2 ist es wie bei den meisten ihrer Altersgenossen – wollen sie sich informieren über das, was auf der Welt oder in der Region so los ist, tun sie das meist mit elektronischen Medien. „Wir haben die Landeszeitung zu Hause, manchmal sehe ich rein, informiere mich über das Wetter“, erzählt Emely. Auch bei Jasmin ist die Landeszeitung regelmäßig auf dem Tisch, aber: „Ich sehe selten da rein, manchmal interessiert mich der Polizeibericht.“

Mit einer Viertelstunde „Silent Reading“ beginnt das Projekt für die Schülerinnen und Schüler. „Sie sollen sich erst einmal orientieren, sich in der Zeitung zurechtfinden, vielleicht auch schon die ersten Artikel lesen“, erklärt Lehrer Meyer-Kybranz. Für das Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ sollen die Schüler die Zeitung in ihrer ganzen Breite kennenlernen. „Was gehört alles zur Zeitung?“ heißt dann die Aufgabe, die sie zuerst allein, dann in Kleingruppen lösen sollen. „Wetter, Politik, Werbung, Peanuts, Sport, Lottozahlen“, das und vieles mehr diktieren Daniel und Laurin ihrem Klassenkameraden Steffen für die gemeinsame „Mindmap“, die „Gedankenkarte“, die dann von allen besprochen wird.

Für Claus-Dieter Meyer-Kybranz ist es bereits die dritte Klasse, mit der er das Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ durchführt. „Das Leseverhalten der Schülerinnen und Schüler – verglichen zu Beginn und zum Ende des Projekts – ändert sich deutlich“, berichtet er. Vom Sinn des Projekts ist er überzeugt. „Die Lesekompetenz ist so wichtig, nicht nur in Fächern wie Deutsch. Auch wenn beispielsweise in Physik eine Aufgabe gestellt wird, müssen die Schüler die Aufgabe doch richtig verstehen.“