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Warten aufs versprochene Geld

ca Lüneburg. Eigentlich hatte Christoph Barz in diesen Tagen mit seiner Abfindung gerechnet: „Zweieinhalb Monatsgehälter.“ 17 Jahre habe er für die DeVauGe und später für Dailycer gearbeitet. Dann kam das Werk ins Schlingern: Insolvenz und Personalabbau von rund 100 Stellen allein an der Lüner Rennbahn. Doch ob er überhaupt 6500 Euro erhält und vor allem wann, ist ungewiss. Er ist verbittert, denn zunächst war ihm nicht mal klar, wer sein Ansprechpartner ist. Ein Ende Dezember verfasstes Schreiben aus dem Unternehmen empfand er als widersprüchlich. Nun muss er wie seine ehemaligen Kollegen warten. Dailycer-Verwalter Manuel Sack sagt: „Die Lage ist für alle vom Sozialplan Betroffenen gleich.“

Wie berichtet, befindet sich die DeVauGe mit Werken in Lüneburg und Tangermünde in schwerer See. Die Firma wollte europaweit wachsen, holte Investoren mit ins Boot und hatte sich übernommen. Die damaligen Manager Michael Makowski und sein Sohn Andreas wurden abgelöst, neue Chefs kamen. Auch denen gelang es nicht, das Ruder rumzureißen. Die Neuausrichtung kostete Lüneburg 100 und Tangermünde 60 Jobs, aber die Insolvenz war nicht abzuwenden. Im Herbst 2012 meldete sich die Familie Makowski zurück, ihr gelang es, mit Landesbürgschaften von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in Höhe von 20 Millionen Euro den Betrieb zu übernehmen. Aus Dailycer wurde wieder die DeVauGe.

105 Namen umfasst die Liste der Kollegen, die entlassen wurden und für die ein Sozialplan gilt. Barz erzählt, dass der damalige Betriebsrat ihm gesagt habe, die Betroffenen würden ihre Abfindung im April, spätestens im Mai erhalten. Er, Barz, sollte zweieinhalb Monatsgehälter bekommen. In einem Schreiben, das der 47-Jährige vorlegt, klingt es so, als trete die DeVauGe in die Verträge ein. Doch das ist nur zum Teil so. Der alte Betriebsratschef Michael Glander ist heute der DeVauGe-Personalchef – und der weist Verantwortung in dieser Frage von sich: „Der Sozialplan ist Sache von Dailycer.“

Der Jurist Manuel Sack ist Sachwalter von Dailycer, bestätigt dies und erklärt die nicht ganz einfache Materie: Die Summe der Abfindung macht für alle Betroffenen zusammen zweieinhalb Monatsgehälter aus. Verteilt werde das Geld aber nach verschiedenen Kritieren wie Betriebszugehörigkeit, Familienstand und Alter. Ergo: Das könne für den einen bedeuten, dass er vielleicht vier Gehälter erhält und ein anderer nur eines. Auch die Höhe steht nicht fest. Denn zunächst müsse ermittelt werden, wie viel Masse am Ende übrig bleibe, wenn die Kosten des Verfahrens abgezogen wurden. Aus diesem Topf sei dann ein Drittel der Summe für den Sozialplan reserviert.

Wann das Geld an die ehemaligen Mitarbeiter fließen kann, ist unklar. Solche Verfahren könnten Jahre dauern, berichtet Sack, dem die Lage der Betroffenen bewusst ist: „Es tut mir leid, aber so schaut die Rechtslage aus.“ Christoph Barz und seine alten Kollegen brauchen Geduld, viel Geduld. Sack sagt: „Vor Ende des Jahres passiert da nichts.“