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Wölfe auf dem Vormarsch

emi Lüneburg. Der Wolf breitet sich weiter aus in Niedersachsen. Erstmals ist jetzt eines der scheuen und streng geschützten Wildtiere im Westen des Landes gesichtet worden. Auf dem Schießplatz in Meppen im Emsland tappte ein Wolf in der vergangenen Woche in eine Fotofalle. Das teilte jetzt das Umweltministerium in Hannover mit.

Und auch der schon mehrfach im Wendland beobachtete Wolf hat Gesellschaft bekommen. Ein zweites Tier hält sich laut Ministerium im Raum Gartow auf. Das ergab die Auswertung einer weiteren Fotofalle. Nach Ansicht der Behörde sind nun zehn Wölfe in Niedersachsen sicher nachgewiesen – unter anderem ein Rudel im Bereich des Truppenübungsplatzes Munster und ein Jungwolf auf dem Gelände der Rheinmetall AG in Unterlüß im Landkreis Celle, der vermutlich aus dem Rudel bei Munster stammt.

Für Wolfsberater Uwe Martens aus Embsen kommt diese Entwicklung wenig überraschend. „Seit den 1990er-Jahren hat der Wolf in Polen und Ostdeutschland einen Schutzstatus und kann sich ausbreiten.“ Wölfe seien sehr mobil, die Jungtiere wanderten kurz vor der Geschlechtsreife, mit etwa 20 Monaten, ab und suchten sich ein neues Revier. Dass sich die Wölfe vermehrt in Niedersachsen niederlassen, führt Martens vor allem auf zwei Gründe zurück: „Durch die großen Truppenübungsplätze hier gibt es große, ruhige Gebiete für den Wolf. Das Schießen stört die Tiere nämlich nicht.“ Außerdem fühle sich der Wolf vor allem in dünn besiedelten Gebieten, wie das im Nordosten Niedersachsens der Fall sei, besonders wohl.

Niedersachsenweit gibt es 40 ehrenamtliche Wolfsberater. Sie arbeiten eng mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als zuständiger Fachbehörde und der Landesjägerschaft zusammen, die im Auftrag des Umweltministeriums das sogenannte Wolfsmonitoring übernommen hat. „Dabei geht es um die Erfassung der Population“, erklärt Martens. Der Wolfsberater ziehe los und suche nach Spuren von Wölfen. Viele Meldungen gingen bei der Polizei ein, „aber die Beamten wissen oft nicht, dass es uns gibt“, klagt der Wolfsberater. Er wünscht sich deshalb „mehr Unterstützung von den unteren Naturschutzbehörden“.

Allein im vergangenen Jahr sind landesweit 330 Meldungen über Wolfsvorkommen eingegangen, 28 Prozent davon erwiesen sich als definitive Nachweise. Bundesweit schätzen Experten die Wolfspopulation auf 19 Rudel und 150 Tiere.