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Das große Niesen beginnt

rast Lüneburg. Endlich zeigt sich der Frühling auch auf den Thermometern, auf einen Schlag stiegen die Temperaturen zweistellig. Da freut sich auch die Natur – zum Leidwesen der Pollen-Allergiker: Die Zeit der triefenden Nasen und juckenden wie auch tränenden Augen hat begonnen. Nachdem es durch den langen, kalten Winter in diesem Jahr eine Schonfrist gab, sprechen die Biologen nun von einer Explosion der Baumblüten-Pollen. Denn die klassischen Frühblüher wie etwa die Zaubernuss und die Haselnuss, die sonst bereits um den Februar für Ungemach bei Allergikern sorgen, kommen nun gemeinsam mit den Blühern, die sonst um diese Zeit für Leiden sorgen – mehr als drei Wochen Verzögerung hat die Vegetation gegenüber einem Durchschnittsjahr. Aktuell blühen etwa Erle, Pappel, Birke und Weide. Tipps für Pollen-Allergiker hat Dr. Jörg Berling, Hausarzt in Adendorf und stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), parat.

Fast jeder dritte erwachsene Bundesbürger ist gegen die eine oder andere Pollenart sensibilisiert und jedes fünfte Kind. Rund 16 Prozent der Pollenallergiker leiden laut Deutschem Allergie- und Asthmabund auch unter Husten, Atembeschwerden, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Haut- und Magen-Darm-Problemen.

Um kurzfristig die allergischen Symptome medikamentös zu bekämpfen, rät Berling zu sogenannten H1-Blockern, die klassischen Antihistaminika wie Cetrizin wirken dämpfend: „Sie sind freiverkäuflich, in jeder Apotheke zu haben. Die Präparate machen auch nicht mehr müde, wie es vor Jahren noch der Fall war.“ Den meisten Betroffenen reichen diese Präparate schon aus: „Wenn nicht, sollten sie zum Hausarzt gehen. Der könnte etwas Stärkeres verschreiben.“ Zum Beispiel Depotspritzen: „Sie halten die Saison über an, werden von Medizinern allerdings nur zurückhaltend empfohlen, denn es kann bei den Cortison-Depotspritzen zu Nebenwirkungen kommen.“ Und auch das Setzen der Spritze selbst könne Nebenwirkungen zur Folge haben, etwa zu Abzessen führen.

Auch wenn das Niesen plagt, das Jucken des Gaumens nervt und eine Bindehautentzündung für viele einfach nur ekelhaft ist, sind die meisten Fälle laut Dr. Jörg Berling doch harmlos. Es gibt allerdings auch schwere allergische Fälle, die zum Asthma führen können.

Der Allergie- und Asthmabund weist auch auf die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie beziehungsweise Hyposensibilisierung hin, die an der Ursache ansetzt und für Erwachsene wie auch Kinder möglich ist. Diese Therapie mit einem Allergen, das entweder gespritzt oder oral per Tablette oder Tropfen verabreicht wird, ist besonders gut wirksam, wenn sie schon frühzeitig nach der Allergieentstehung eingesetzt wird. Für die laufende Pollensaison ist dies allerdings schon zu spät: „Der Start der Therapie – nach den Tests zur Klärung, welche Pollen die Allergie auslösen – sollte im August oder September erfolgen.“ Sie müsste auch konsequent durchgeführt werden: „Es sollte zunächst eine mindestens zweijährige Behandlung erfolgen.“ Ein Problem gibt es aber dabei: Je mehr Gräser und Pollen die Allergie auslösen, umso schwieriger wird die Hyposensibilisierung.