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Einsatz im Armenhospital in Buda

as Lüneburg. In der Bergregion im Südosten der philippinischen Insel Mindanao leben viele Menschen in ärmlichsten Verhältnissen. Es mangelt an sauberem Wasser, die hygienischen Verhältnisse sind schlecht, Krankheiten wie Tuberkulose, Dengue-Fieber, Typhus grassieren. Doch das Geld für eine Behandlung fehlt den Menschen. Um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, hat die Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“ ein Armenhospital in Buda eingerichtet. „German Doctors“, deutschsprachige Ärzte, arbeiten dort auf Zeit ohne Bezahlung. Einer von ihnen: Dr. Thomas Struck.

Seit 20 Jahren ist der Kinderarzt in Lüneburg tätig, hat Medizin aus dem christlich-humanistischen Gedanken heraus studiert. Schon nach der Facharzt-Ausbildung wollte er eigentlich ins Ausland gehen, verschob dieses Anliegen jedoch wegen der Familie. Inzwischen sind die drei Kinder aus dem Haus, das schuf Freiraum für einen Einsatz in einem Entwicklungsland. Vermittelt wurde Dr. Struck über die Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“, die Kliniken in Indien, Nicaragua, Bangladesh, Kenia sowie sechs Häuser auf den Philippinen aufgebaut hat und betreibt. Basis-Krankenhäuser, die ausschließlich Arme behandeln. 6000 Ärzte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen auf der Einsatzliste, die oft ihren Jahresurlaub nutzen, um zu helfen.

Dr. Struck ging für einen sechswöchigen Einsatz in die Armenklinik in Buda. Das Einzugsgebiet umfasst 160 000 Menschen, 40 Prozent gehören der indigenen Bevölkerung an, die bitterarm ist. Sie leben von dem wenigen, was die Familien anbauen. Frauen bekommen oft acht bis zwanzig Kinder. Die Kindersterblichkeit und die Sterblichkeit der Mütter ist sehr hoch, berichtet der Lüneburger Arzt. „14 Menschen leben manchmal gemeinsam in einem Raum, von denen drei Tuberkulose haben, die dann die anderen anstecken.“

Als der Lüneburger Arzt in Buda ankam, fand eine kurze Übergabe durch seinen Vorgänger statt. Dann war er sozusagen Chef für die Kinderklinik und die Ambulanz. Ihm zur Seite gestellt war eine junge philippinische Ärztin, die mehr Erfahrung bei Tropenerkrankungen hatte. Die gynäkologische Abteilung betreute eine deutsche Medizinerin, die ebenfalls über die Organisation im Einsatz war. Täglich waren 150 ambulante Patienten zu versorgen sowie 40 stationäre. Dazu kamen Nacht- und Wochenenddienste. Ein Arbeitsumfang, der größer war als gedacht, sagt Dr. Struck. Doch das stecken Mediziner weg.

Was den medizinischen Alltag schwer machte, war die mangelnde Ausstattung. „Das Labor ermöglichte keine differenzierten Untersuchungen, es gab kein Röntgengerät und nur zwei alte Ultraschallgeräte.“ Nicht jedem Kind konnte deshalb so geholfen werden, wie das in Deutschland Normalität ist. „Ein siebenjähriges Mädchen wurde zum Beispiel mit einer schweren Lungenentzündung gebracht, die wir anfänglich nicht richtig behandeln konnten.“ Erst im fortgeschrittenen Stadium habe man schließlich die Ursache gefunden und das entsprechende Antibiotikum verabreichen können. Eine Situation, die sich im Gedächtnis verhaftet. Das Bewegendste sei aber ein zehnjähriger Patient gewesen. Er war von einem Lkw überfahren worden. „Da wir ihn nicht chirurgisch versorgen konnten, haben wir versucht, ihn zu verlegen. Doch es fand sich nicht schnell genug eine Klinik. Das Kind ist auf dem Transport gestorben“, erzählt Dr. Struck mit einem Räuspern.

Zu den Erfahrungen, die der Arzt in Buda gemacht hat, gehört auch: „Die Patienten sind alle deutlich kränker als bei uns, wenn sie denn endlich in die Klinik gehen. Ein kleiner Junge litt bereits seit einem Jahr an einem eiternden Ohr.“ Der Grund: Die Menschen sind so bitterarm, dass ihnen einfach das Geld für den weiten Weg mit dem Bus fehlt. Auch muss für die stationäre Aufnahme immer ein Begleiter dabei sein. „Doch wer kümmert sich dann um den Rest der Familie, übernimmt die Arbeiten auf dem Feld?“ Stationär behandelt werden Patienten mit Tuberkulose, Dengue-Fieber, Parasiten-Erkrankungen, Typhus und Cholera – nicht immer einfach, wenn es „medikamentös extreme Einschränkungen gibt“.

Mitgenommen nach Hause hat der German Doctor ganz viel: „Freundlichkeit und Wertschätzung bis hin zu Freundschaft. Die Menschen waren sehr dankbar und so fröhlich, trotz der Lebensumstände.“