Donnerstag , 29. September 2016
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„Kaiser Wilhelm“ in schwerer See

tja Lauenburg. Aufstand auf dem Lauenburger Raddampfer „Kaiser Wilhelm“. Die ehrenamtliche Besatzung des 113 Jahre alten Raddampfers begehrt auf – um auf gravierende Sicherheitsmängel an Bord aufmerksam zu machen. „Es wird Zeit, dass wir mal Tacheles reden und uns nicht weiter selbst belügen“, sagt Detlef Bülow, der leitende Maschinist des Raddampfers, der seit 31 Jahren zur Crew gehört. Hintergrund sind schwere Schäden an tragenden Teilen und in der Außenhülle des 57 Meter langen Raddampfers.

Markus Tonn, Heinz Bielefeld, Werner Hinsch, Dietmar von der Fecht und Volkert Söchting wollen von ihren Vorstandsämtern zurücktreten, eine Erklärung zur Fahrtüchtigkeit des Kaisers lehnen Tonn, Bielefeld und Bülow allerdings ab. Nur so viel sagt Bülow: „Wir sind verantwortlich, die Besatzung haftet, wenn etwas passiert. Das geht einfach nicht mehr so wie bisher weiter.“

Tatsächlich präsentiert sich der jetzt aus dem Winterlager in Bleckede nach Lauenburg geschleppte „Kaiser Wilhelm“ in einem erbärmlichen Zustand. Das Gewicht des Oberdecks drückt die Außenwand der Kombüse mittlerweile acht Zentimeter nach draußen. Wenn hier erst mal die Planken brechen, droht massiver Wassereinbruch. Gleiches gilt für Spanten und Bodenwangen, die weggerostet sind.

Ein Schiffsgutachter schreibt, dass vorsorglich zusätzliche Tauchpumpen und Dichtmaterial für Leckagen an Bord mitgeführt werden sollten. Bülow: „Das ist, als würde man eine Kreuzfahrt buchen und schon beim Besteigen des Schiffes eine Schwimmweste in die Hand gedrückt bekommen.“ Der Gutachter hat für den Schiffskörper an der Steuerbordseite „eine geschwächte Struktur“ festgestellt. Im Klartext ist es so, dass man mit bloßem Finger durch die Außenhaut des einstmals stolzern Dampfers drücken kann. Zuletzt, das belegen Zahlen des Schatzmeisters, hatte der Verein mehr als 25 000 Euro Außenstände bei der Hitzler Werft, die sich um nötigste Reparaturen kümmert.

In Aussicht stehende Fördermittel des Bundes, die dank des 2012 gestarteten Engagements des CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Brackmann sogar im Etat der Regierung festgeschrieben sind, können noch nicht abgerufen werden. Schon im vergangenen Jahr drohte das Aus für die Saison, nachdem am Kessel massive Schäden festgestellt worden waren.

„Es ist ein altes Schiff, da ist man vor Überraschungen nie sicher“, sagt Wilhelm Bischoff, der Geschäftsführer des Vereins. Er steht besonders in der Kritik der „Meuterer“. Bülow: „Herr Bischoff meint, dass wir fahren müssten, um die Fördermittel zu bekommen. Wir sind aber der Meinung, dass wir nicht fahren dürfen, um deutlich zu machen, wie gefährlich die Lage ist.“

Doch der Geschäftsführer wiegelt ab. „Die Crew ist alt geworden“, sagt er und spricht von „lösbaren Problemen“. Unter anderem, weiß Bülow, sollen Schwachstellen im Stahl mit Kunststoff gespachtelt werden. „Das wird nie von der Schiffsuntersuchungskommission abgenommen“, glaubt der erfahrene Maschinist des Raddampfers. Doch Bischoff hält am Fahrplan fest und der sieht die erste Saisonfahrt für Sonnabend, 11. Mai, vor. Aufgrund der Schulden bei der Hitzler Werft wissen die Crewmitglieder aber nicht einmal, wie man Kohlen kaufen soll.

Doch nicht nur technisch ist der Raddampfer zurzeit Thema im „Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums“ – auch die Vereinsarbeit steht mit dem Rücktritt der Vorstandsmitglieder vor einem Scherbenhaufen. „Jetzt will man Bürgermeister Thiede und Museumsleiter Kedziora als Beisitzer dazu holen, dabei sind die nicht einmal Mitglied im Verein. Da hat die Crew vom Dampfer dann nichts mehr zu melden“, sagt Bülow. Er warnt auch davor, am Sonntag beim ersten „Kurs Elbe Tag“ in Lauenburg Besucher an Bord zu lassen. „Da blamieren wir uns doch, so, wie es hier gerade aussieht“, sagt er.

Wer für die Rettung der Kaiser spenden will, kann das bei der Sparkasse Lauenburg tun, Konto: 400 68 52, Bankleitzahl: 230 527 50.