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Stück Heimat auf dem Teller

emi Salzhausen. Wenn der Duft von gedünsteten Zwiebeln, gekochten Tomaten und Paprika durch die Küche weht, denkt Emilia Gellersen an ihre Heimat Rumänien – und an „Zacusca“. So heißt der landestypische Gemüse-Aufstrich, mit dem die 33-Jährige am Donnerstag, 2. Mai, bei der Veranstaltung „KulturGenuss“ auch deutsche Gaumen verwöhnen möchte. Im Haus der Landeskirchlichen Gemeinschaft Gödenstorf wird sie ein rumänisches Menü auf die Teller zaubern und die 60 Gäste mit Bildern und Musik auf eine kulturelle Rundreise entführen. Den Aufstrich lässt sie dabei gläserweise extra aus Rumänien einfliegen – „selbstgemacht von meiner Schwägerin“.

Emilia Gellersens Augen leuchten, während sie bei einem Glas Wasser mit Zitronenscheiben von ihrem Leben in Siebenbürgen erzählt. Aufgewachsen ist sie „in ärmlichen Verhältnissen“ in der kleinen Stadt Agnetheln, umgeben von Bergen. Die Berge vermisst sie in ihrer neuen Heimat Lübberstedt ganz besonders. Mit ihrer Familie erntete sie Gemüse aus dem eigenen Garten: „So etwas Frisches habe ich hier noch nicht gefunden.“

Nach Deutschland gekommen ist sie im Alter von 19 Jahren mit dem Abitur in der Tasche und einem Traum im Kopf: „Ich wollte Deutsch lernen und dann in Rumänien Deutschlehrerin werden.“ Der erste Teil des Traumes erfüllte sich schnell: Als Au-Pair-Mädchen in Garstedt lernte sie mithilfe der vier Kinder die deutsche Sprache innerhalb von nur einem Jahr – und spricht sie heute fast akzentfrei. Aus dem zweiten Teil ist nichts geworden: „Im Jahr 2000 habe ich meinen Mann kennengelernt und bin hier geblieben.“

Am Anfang sei es ein Kulturschock gewesen, mittlerweile schätzt sie die deutsche Pünktlichkeit und Ordnung. Aber sie vermisst die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen: „In meiner Heimat gibt es viele arme Leute, aber sie teilen sogar das Wenige, was sie haben, miteinander. In vielen Gesellschaften sammelt jeder nur in seinen eigenen Topf.“

Essen teilen und die Menschen mit ihrer Herzlichkeit anstecken, das will die Mutter von drei Kindern auch bei „KulturGenuss“. Eigentlich sei die Veranstaltung nur für 30 Gäste geplant gewesen, „aber ich habe mir gedacht: Wenn schon, dann richtig“, sagt Emilia Gellersen und lacht. Umschweife mag die Sozialpädagogin nicht. „Wenn ich etwas gut finde, dann mache ich es.“ Deshalb habe sie auch sofort Ja gesagt, als Hannelore Petersen sie fragte, ob sie an der Veranstaltungsreihe des Verkehrs- und Kulturvereins Salzhausen teilnehmen wolle.

Ziel der kulinarisch-kulturellen Rundreise ist es, sagt Initiatorin Petersen, „den Leuten hier eine fremde Kultur durch Essen näher zu bringen“. Sie selbst hat lange in Indonesien gelebt. Als sie die Veranstaltung ins Leben rief, hatte sie noch „den Duft fremder Gewürze in der Nase“, erinnert sie sich. Das Kochen übernehmen Ausländer, die „mitten unter uns in der Samtgemeinde wohnen“.

Los ging die Reise im Jahr 2000 in Ghana, später folgten Italien, Iran, Vietnam, Weißrussland, Portugal, Sri Lanka und viele mehr.

In der 16. Folge am 2. Mai ist nun Rumänien dran. Los geht’s um 19 Uhr in Gödenstorf, Hauptstraße 32 (Eintritt 12 Euro). Eine Voranmeldung ist erforderlich. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.vkv-salzhausen.de.