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Stehen 1200 Wohnungen vor dem Verkauf?

ca Lüneburg. In Kaltenmoor und im City Park Am Weißen Turm liegen Mieter und Eigentümer der Wohnanlagen bekanntlich im Clinch. Nun scheinen Veränderungen bevorzustehen: Die israelische Gesellschaft TGE will angeblich ihre rund 600 Wohnungen zwischen Theodor-Heuss- und Wilhelm-Leuschner-Straße verkaufen. Ähnliche Gerüchte wabern um den Weißen Turm.

Zum möglichen Verkauf in Kaltenmoor bestätigt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, dass TGE „eine Bescheinigung im Rathaus abgefragt“ habe, die für einen Verkauf nötig sei. Auf Nachfrage sagt Mädge: „Man kann natürlich nur raten, ob das nun ein Einknicken vor dem wachsenden öffentlichen Druck ist oder ob einfach weiter versucht wird, aus dem Zuhause von 2000 Menschen erneut Gewinne rauszuziehen. Wir haben die TGE aufgefordert, uns unverzüglich den Käufer zu nennen.“ Mädge unterstrich, dass es dringend wirksamer rechtlicher Vorgaben bedarf, um Spekulantentum durch andauerndes Kaufen und Verkaufen von Wohnblöcken zu unterbinden.

Auch der City Park könnte neue Eigentümer bekommen. Hartnäckig geht das Gerücht um, dass die holländischen Besitzer ihre gut 600 Wohnungen in den kommenden zwei, drei Jahren veräußern wollen. Als die Gesellschaft namens Ibus die Anlage 2006 übernahm, war von einem Engagement von zehn Jahren die Rede. Der zuständige Verwalter Olaf Bieniek sagt zu den Mutmaßungen: „Konkretes weiß ich nicht, aber vorstellen kann ich mir das. Es würde zur wirtschaftlichen Strategie der Gesellschaft passen.“

Für den City Park fordern Mieter, die aus Angst vor Kündigungen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, unter anderem einen Mieterbeirat und einen Quartiersmanager. Bieniek ist für einen Beirat offen. Er sagt aber klar, dass er sich mit einigen der Aktivisten nicht an einen Tisch setze, mit ihnen sei eine „sachliche Auseinandersetzung“ nicht möglich. Die wiederum berichten, dass sie ihre Anliegen wie Reparaturen oder möglicherweise falsche Abrechnungen bei den Nebenkosten nicht vorbringen könnten, da sie die Verwaltung nicht betreten dürften.

Mancher Streit landet vor dem Amtsgericht. Ein Sprecher hatte zum City Park kürzlich erklärt: „Wir führen jedes Jahr mindestens 25 Verfahren, in denen es um Nebenkostenabrechnungen und Mängel in Wohnungen geht. Die Mieter haben durchaus Erfolg.“

Auch aktuell gibt es Streit. Da zwei Aufzüge Am Weißen Turm 2 seit Wochen nicht oder nur eingeschränkt funktionieren, hat die Stadt ein Bußgeld von 60 000 Euro gegen die Vermieter verhängt. Bieniek klagt dagegen, sagt, die Reparaturen im Wert von 60 000 Euro seien beauftragt, aber es dauere noch.

Dem Wunsch nach einem Quartiersmanager erteilt die Stadt eine Absage. Die Situation sei nicht mit der in Kaltenmoor vergleichbar, wo Stadtteilmanager Uwe Nehring Ansprechpartner für 9000 Menschen ist. Seine Stelle werde aus dem Programm Soziale Stadt gefördert. Mieter könnten sich im Stadtteiltreff Salino am Stern beraten lassen. Man stelle Kontakt zur städtischen Bauaufsicht oder einer Rechtsberatung her.