Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Komasaufen kein Kinderspiel

ahe Lüneburg. Adrian ist 16. Wenn er mit Kumpels auf eine Party geht, fließt da auch Alkohol. Manche trinken in Maßen, andere eher in Massen. Und einige schütten so oft nach, dass sie am nächsten Tag ein „böses Erwachen“ erleben. Adrian hat eine solche Situation festgehalten, er hat ein Plakat erstellt, mit dem er eindrucksvoll die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums aufzeigt. Jetzt hat er einen Preis dafür bekommen.

Hilke Kohfahl unterrichtet Kunst am Gymnasium Oedeme. Mit ihren Schützlingen aus dem neunten Jahrgang hat sie sich an einem Plakatwettbewerb der Krankenkasse DAK-Gesundheit beteiligt. Die Schüler haben nach eigenen Ideen Plakate zum Thema Komasaufen in DINA 3-Format erstellt und für den Wettbewerb eingereicht, der Teil einer Kampagne unter dem Motto „bunt statt blau“ ist. Herausgekommen sind so vielfältige und kreative Motive, dass Simone Prüß, Leiterin der DAK-Gesundheit in Lüneburg, nun in die Schule kam und den Schülern persönlich gratulierte. Für vier von ihnen, deren Arbeiten besonders hervorstachen, hatte sie Taschen als Anerkennung mitgebracht.

Adrian hat für sein Plakat Fotos auf der Geburtstagsparty eines Freundes gemacht. Genügend leere Flaschen gab es da, für sein Bild stellte er sie zusammen, unterlegte das Ganze mit „Alkoholleichen“. Meret hat ihr Foto komplett gestellt, Freundinnen haben sich bereit erklärt, Betrunkene zu mimen. Das Motiv ist überwiegend in Schwarz-Weiß gehalten und zeigt zwei Jugendliche, die an einem Tisch sitzen und reichlich Alkohol trinken, während ein Mädchen bereits vom Stuhl gefallen ist. Eine leere Schnapsflasche auf dem Tisch scheint auf sie zu zeigen, in blauer Schrift steht darauf „Kein Kinderspiel“. Meret erklärt ihren Ansatz: „Flaschendrehen kennen die meisten ja noch aus der Kindheit, aber Komasaufen ist eben kein Kinderspiel.“

Auch Ann-Cathrin hat sich für ein gestelltes Schwarz-Weiß-Foto entschieden. Es zeigt ein Mädchen, das betrunken gegen eine Laterne läuft und dabei von jemand anderem mit dem Handy fotografiert wird. „Dein neues Profilbild?“, fragt die Schülerin nicht ohne Grund: „Denn jeder weiß durch Facebook und so, was ein Profilbild ist.“ Ann-Cathrins Überlegung: In einer derart peinlichen Situation wie auf dem Foto will sich sicher niemand im Internet sehen. Für Jans Plakat hat sich ein Kumpel bei einer Party scheinbar leblos neben eine leere Flasche auf den Boden gelegt. „YOLO?!“ steht darüber, was soviel heißt wie You only live once, zu Deutsch also, Du lebst nur einmal.

Auch wenn die Bilder gestellt sind, dass Jugendliche auch mal mehr Alkohol trinken, als sie vertragen, kennen fast alle in der Klasse. Meist über Freunde oder ältere Geschwister kommen sie an „harten Stoff“ wie Wodka, den sie dann, damit es auch schmeckt, mit Cola mischen. „Das knallt schon ordentlich“, erzählt einer. Und je mehr Jugendliche zusammenkommen, um zu feiern, desto größer sei auch der Hang, noch mehr zu trinken, hat er beobachtet. Ein weiteres Problem aus Sicht der Schüler: „Man kommt zu leicht in Clubs rein, zum Beispiel mit dem Ausweis einer Freundin, die einem ähnlich sieht.“ Da würden die Jüngeren, kaum 14 oder 15, dann den etwas älteren nacheifern und ordentlich Alkohol trinken.

Wie verbreitet das ist, zeigen auch Zahlen der Krankenkasse: Im Jahr 2011 gab es danach in Lüneburg 64 Fälle, in denen Kinder und Jugendliche so viel getrunken hatten, dass sie im Klinikum behandelt werden mussten. Simone Prüß: „Das bedeutete einen Anstieg von 20,8 Prozent.“

Die Plakate der Oedemer Gymnasiasten sollen vom 12. bis 30. August in einer Ausstellung in der Landesschulbehörde gezeigt werden.