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Funkstrahlen machen Brücke teurer

ahe Lüneburg. Eigentlich hätte es längst losgehen sollen. Die Politik hatte ihr Okay bereits im September vergangenen Jahres gegeben, das Geld war in den Haushalt eingestellt, die Gemeinde Deutsch Evern wollte sich mit 30 000 Euro an den Baukosten beteiligen, 70 000 Euro waren vom Landkreis eingeplant. In diesem Frühjahr, so sah es der Plan der Stadt vor, sollte die neue Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer über die Bahnschienen im Tiergarten gebaut werden. Doch nun muss das geplante Bauwerk noch einmal durch die politischen Gremien. Jetzt empfiehlt die Stadt plötzlich, die Brücke nicht zu bauen.

Anlass für die Wende sind die Kosten. Denn die könnten mit rund 375 000 Euro deutlich höher ausfallen als die bislang kalkulierten 215 000 Euro. Verantwortlich dafür sind Funkstrahlen und das Eisenbahn-Bundesamt. Uta Hesebeck, Bereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau bei der Stadt Lüneburg, erklärt: „Die Deutsche Bahn hat ein eigenes mobiles Datennetz für innerbetriebliche Belange. Das soll sicherstellen, dass Lokführer jederzeit mit dem Personal anderer Züge in Kontakt treten können. In dem Netz darf es keine Lücken geben, durch Bauwerke wie eine Brücke könnten die Funkwellen unterbrochen werden. Daher fordert das Eisenbahn-Bundesamt, dass wir nach dem Bau eine Messfahrt veranlassen.“

Solch eine Messung sei nicht billig. 30 000 Euro müsste die Stadt berappen für die spezielle Lok mit einem Waggon voller Technik und Personal. Werde dabei festgestellt, dass die Brücke das Funknetz stört, müsste die Stadt auch noch einen neuen Funkmast zur Überbrückung aus eigener Tasche bezahlen. Rund 130 000 Euro würde der noch zusätzlich kosten. „Das ist Geld, das wir nicht haben, deshalb schlagen wir vor, die Brücke nicht zu bauen“, erklärt Uta Hesebeck. „Aber wenn die Politik das fordert, werden wir die Brücke natürlich bauen.“ Zum Vergleich: Für Fahrbahnsanierungen hat die Stadt in diesem Jahr insgesamt 200 000 Euro zur Verfügung.

Auch für die Stadtverwaltung waren diese Anforderungen neu. Im März 2009 war die marode Panzerstraßenbrücke über der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Dannenberg an gleicher Stelle abgerissen worden. „Da war also eine Brücke, nun sollte wieder eine dahin – was sollte dagegen sprechen?“, beschreibt Uta Hesebeck die Überlegungen. Und doch war für die neuerliche Überquerung der Schienen eine Genehmigung der Bahn erforderlich. Und weil die Bahn erst im Oktober 2011 das Funknetz dort installiert habe, hatten sich die Bedingungen geändert. Auch als sich die Bahn wegen der Genehmigungen für die an der Strecke aufzustellenden Funkmasten an die Stadt wandte, waren die Folgen für den Brückenneubau noch kein Thema. Erst jetzt sind sie es, im Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung, der am Freitag im Rathaus tagt.

Dort sitzt mit Andreas Meihsies auch ein Politiker, der den Bau der etwa 25 Meter langen und etwa zwei Meter breiten Brücke stets befürwortet hat. 30 000 Euro Mehrkosten mindestens, dazu womöglich weitere 130 000 Euro – viel Geld dafür, dass Radfahrer und Fußgänger, die aus Deutsch Evern nach Lüneburg wollen, sich den 700 Meter längeren Umweg über Posten 90 sparen. Zu viel? Der Grüne sagt: „Nein. Wir wollen die Brücke, auch wenn sie 160 000 Euro mehr kosten würde. Wir sollten alle nochmal in unsere Portemonnaies schauen.“ Seine Hoffnung: Womöglich geben der Kreis oder die Gemeinde Deutsch Evern ein wenig mehr als zunächst zugesagt. „Und wir sollten auch das Land ansprechen“, meint Meihsies. Zudem setzt er darauf, dass „eine Brücke, die überwiegend aus Holz besteht, den Funk nicht stört“.