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Ende der Kutschen-Zeit naht

ca Lüneburg. Die Kutschen-Zeit soll in Lüneburg zu Ende gehen, statt Pferd und Wagen könnte eine Elektro-Bahn Gäste durch die Stadt fahren. Obwohl die Ablehnung groß war, als das Konzept vor eineinhalb Jahren bekannt wurde, lässt Andreas Gensch nicht locker und verfolgt die Idee weiter. „Es wird eine Solar-Bahn“, sagt Gensch, der bislang Ausfahrten mit Kutschen anbietet. Eine Zugmaschine, in der sich große Batterien für Strom befinden, soll zwei Wagen ziehen, in denen 60 Gäste Platz nehmen können. Als die LZ im November 2011 über erste Überlegungen einer Bahn berichtet hatte, war Oberbürgermeister Ulrich Mädge noch skeptisch. Heute heißt es aus dem Pressereferat der Stadt: „Sprechen keine sachlichen Gründe dagegen, hat Herr Gensch grundsätzlich einen Anspruch darauf, dass wir ihm den Betrieb genehmigen.“

Vorbilder für solche Bahnen gibt es in Ostseebädern wie Haffkrug und Scharbeutz, aber auch in Goslar und Worms. Aus Worms kommt Stadtmarketing-Chef Stefan Pruschwitz. Der hatte das Projekt damals begrüßt und mit Gensch Gespräche geführt. Seine positive Position habe sich nicht verändert, sagt Pruschwitz heute.

Gensch hat sich in den vergangenen Monaten in verschiedenen Städte umgesehen und bei Herstellern informiert. Nun möchte er die „Solar-Bahn“ fahren lassen. Die soll Sonnenfänger auf dem Dach haben, vor allem aber mit Öko-Strom aus der Steckdose angetrieben werden. Bei rund 300 000 Euro liege der Preis. „Die Bahn hat sich in vier Jahren amortisiert“, ist Gensch überzeugt. Denn seine Ausfahrten mit Pferd und Wagen würden ihn pro Jahr 80 000 Euro kosten: Jeden Tag bringt er die Tiere aus Mechtersen in die Goseburg, dort spannt er sie vor die Kutschen und zuckelt in die Stadt. Maximal drei Umläufe mute er den Pferden zu.

Mit der Bahn könne er häufiger fahren, sie sei auch von Gehbehinderten zu nutzen, mache keinen Dreck, verstopfe nicht die Straßen und könne bei Schnee und Eis fahren, zählt der 56-Jährige Vorteile auf. Auch bereite die Bahn weniger Arbeit, daran müsse er in seinem Alter denken. Kutschfahrten soll es noch für Hochzeiten geben, auch zu den Sülfmeistertagen könne er mit Pferden kommen. Die überzähligen Tiere will er an Höfe in der Region verkaufen: „Keines landet beim Schlachter.“

Es hatte in der Vergangenheit eine Menge Kritik an der „Bimmelbahn“ gegeben. Die passe nicht zu einer mehr als 1000 Jahre alten Stadt, hatten Leserbriefschreiber in der LZ moniert. Der Bürgerverein konnte der Bahn ebenfalls nichts abgewinnen und machte Front gegen das Projekt. Die Verwaltung schaut auf die Rechtslage, die spreche für Gensch: Er müsse eine Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz beantragen. Die erteile die Stadt oder die Landesnahverkehrsgesellschaft, je nachdem ob Ausflugsfahrten oder Linienverkehr geplant seien. Zudem benötigt Gensch eine Ausnahmegenehmigung, um verkehrsberuhigte Bereiche ansteuern zu können.

Einen Antrag für seine Bahn hat Gensch noch nicht gestellt, will das aber bald tun. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck sagt: „Über Gestaltung der Bahn, Wegeführung und weitere Details muss man sicher sprechen. Das tun wir in Ruhe und könnten dann voraussichtlich im Herbst mit dem Konzept in die Gremien gehen.“