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Ein Platz für Kinder gesucht

kre Neetze. Neetze ist nicht Lüneburg! Das wissen Tanja Gronow und ihre Kollegin Kim Helwig natürlich. Trotzdem bekommen die beiden das jetzt noch einmal deutlich zu spüren. Denn was in der Hansestadt nicht nur möglich, sondern ausdrücklich unterstützt wird, ist auf dem Lande offenbar unvorstellbar: Die Einrichtung einer Großtagespflege in einem Gewerbegebiet, in der mehrere Tagespflegepersonen – umgangssprachlich Tagesmütter – zusammen bis zu zehn Kinder betreuen. Dabei sind die Kommunen unter Zugzwang. Denn ab August haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung.

Tanja Gronow und Kim Helwig sind Tagesmütter. Seit Anfang des Jahres führen die beiden eine Großtagespflege – die „Dorfmäuse“. Engagement und pädagogisches Konzept der beiden kommt an bei den Eltern. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die „Dorfmäuse“ viel Zeit an der frischen Luft im Freien – im Wald – verbringen. Was noch fehlt, ist eine geeignete, feste Unterkunft. Doch die Suche nach einer passenden Wohnung für die Großtagespflege in Neetze gestaltet sich schwieriger, als sich das die beiden Neetzerinnen vorgestellt haben.

Umso glücklicher waren Gronow und Helwig, als ihnen im Neetzer Gewerbegebiet nach vielen vergeblichen Versuchen eine passende Wohnung für die „Dorfmäuse“ angeboten wurde. Ebenerdig, mit Garten – und das Beste: „Das Gebäude grenzt direkt am Wald an.“ Kurze Wege für kurze Beine in Mutter Natur.

Doch so euphorisch die beiden Frauen über das Angebot waren, so skeptisch äußerte sich das Bauamt des Landkreises zu den Plänen: „Es gibt gute Gründe, die gegen eine Großtagespflege im Gewerbegebiet sprechen“, erläutert Kreissprecherin Katrin Holzmann die ablehnende Haltung ihrer Behörde. In einem Gewerbegebiet gebe es nun einmal Immissionen, Lärm, Staub, Gerüche, Lkw-Verkehr. Alles andere also als ideale Bedingungen für kleine Kinder, urteilt der Kreis. Ein Gewerbegebiet sei nun einmal für die Ansiedlung von Gewerbe – eine Großtagespflege gehöre da zweifellos nicht dazu. Wenn die Kommune das ändern, der Großtagespflege doch den Zugang ermöglichen wolle, müsse die Gemeinde eben eine planungsrechtliche Änderung vornehmen. Im übrigen habe der Kreis die Ablehnung auch zum Schutz der anwesenden Betriebe ausgesprochen – „die Betriebe dürfen dort in ihrer Arbeit nicht eingeschränkt werden.“

Der Ostheider Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer (SPD) sagt erstaunt: „Ich höre von den Problemen der beiden Tagesmütter das erste Mal!“ Sein Vorschlag: „Jetzt müssen wir uns mit allen Beteiligten zusammen setzen und schauen, was da planerisch gemacht werden kann.“

Ein Angebot, dass auch der Kreis nicht ausschlagen will. „Solchen Gesprächen werden auch wir uns nicht verschließen“, verspricht Holzmann.

Das der Landkreis – zum Schutz von Kindern und Betrieben – eine Großtagespflege im Gewerbegebiet Neetze ablehnt, ein gleiches Vorhaben im Gewerbe- und Industriegebiet Hafen in Lüneburg von der Stadt Lüneburg aber gefördert wird, verwundert auch Norbert Meyer. Und auch in der Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg wird demnächst eine Großtagespflege ihre Arbeit aufnehmen.

Auch in der Samtgemeinde Ostheide tut sich viel mit Blick auf die Kinderbetreuung. In Barendorf und Wendisch Evern finden demnächst die Grundsteinlegungen für den Bau neuer Kinderkrippen statt und auch in Neetze engagiert sich die Samtgemeinde mit einer Kinderkrippe. Dazu gibt es noch die „Zwergenstube“, ebenfalls eine Eichrichtung von Tagesmüttern – und eben die „Dorfmäuse“. Ein gutes Angebot also, das Norbert Meyer begrüßt: „Ich sehe die Tagesmütter nicht als Konkurrenz zu unserer Krippe, sondern als zusätzliches Angebot.“

Das allerdings in absehbarer Zeit kleiner wird, wenn Tanja Gronow und Kim Helwig nicht bald eine geeignete Unterkunft finden. „Dann werden wir nach Lüneburg gehen müssen….“