Mittwoch , 28. September 2016
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Uni schielt auf 400 Millionen Euro

kg Lüneburg. Er kann es nicht lassen. Mit einem Förderantrag im Bereich Gesundheitsmanagement beim European Institute for Innovation Technology greift Uni-Vizepräsident Holm Keller nach den nächsten Millionen. Gemeinsam mit der Republik Malta, den Universitäten Göttingen und Zürich, dem Pharma-Konzern Novartis Vaccines und anderen Partnern will die Leuphana als federführende Institution 400 Millionen Euro bei der EU für eine sogenannte „Knowledge and Innovation Community“ beantragen. Die Antragssumme macht rund ein Viertel des Projekt-Gesamtvolumens von 1,6 Milliarden aus – das ist das sechzehnfache Budget des Innovationsinkubators.

Mit dem Großprojekt „Healthy Living and Active Ageing“ möchten die Partner herausfinden, wie Europa von der steigenden Lebenserwartung der Menschen profitieren kann. Malta soll als Testgebiet genutzt werden. Aufgrund der überschaubaren Größe der Insel und ihres fortschrittlichen Gesundheits- und IT-Systems könnten Erkenntnisse aus dem Projekt auf der Mittelmeerinsel leicht ausprobiert und untersucht werden. „Die von der Leuphana angeführte Bewerbung genießt die volle Unterstützung der Maltesischen Regierung“, sagt der Maltesische Premierminister Dr. Joseph Muscat. Das Malta Council for Science and Technology soll vor Ort die Koordination übernehmen.

Während die alternde Gesellschaft vielen Politikern Sorgenfalten bereitet, versuchen Keller und seine Mitstreiter, das Positive darin zu sehen. Ein Mädchen, das heute in Deutschland geboren wird, habe eine durchschnittliche Lebenserwartung von 102 Jahren. Wie kann das Gesundheitssystem dafür sorgen, dass sie bis ins hohe Alter ein aktives und gesundes Leben führt und möglichst lange für den Wirtschaftsmarkt zur Verfügung steht? Was muss unternommen werden, damit die hohe Lebenserwartung zu einer Stärkung der Volkswirtschaft führen kann? Diese Fragen soll das neue Großprojekt der Leuphana erörtern. „Ziel ist es, Geschäftsideen zu entwickeln, die steigende Lebenserwartung in Wohlstand für Europa übersetzen werden“, sagt Keller. Dazu müssten jetzt die regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Wertschöpfung sich nicht nach Amerika, Asien oder Afrika orientiere, sondern hier in Europa wirke.

„Wir befinden uns im Gesundheitswesen am Beginn einer Revolution, in der alle Akteure des Systems versuchen, die entscheidenden Angebote für ihre Patienten zu verbessern“, glaubt Michael Porter, Mitgründer des International Consortium for Health Outcomes Measurements, ein weiterer Partner des Antrags. Die dringendsten Handlungsfelder sehen die Antragssteller bei Impfstoffen, Service und Technologie beim Endverbraucher sowie in der Finanzierung. Sie bilden die drei Grundpfeiler des Antrags.

„Der besondere Wert des Projekts für die europäischen Länder besteht vor allem im effizienten und effektiven Einsatz von Big Data“, glaubt Keller. „Big Data“ beschreibt die Zusammenführung und Weiterverwendung großer Datenmengen, hier vor allem von ärztlichen Abrechnungsdaten. Keller und seine Mitstreiter sind sich sicher, dass sich das Gesundheitssystem qualitativ und finanziell deutlich verbessern ließe. Das breite Zusammenführen von derartigen Daten ist ihrer Meinung nach jedoch nur möglich, wenn der Patient diese selbst kontrolliert.

Um ihre Pläne umsetzen zu können, muss die Leuphana den Fisch aber zunächst an Land ziehen. Beim Antrag konkurriert sie mit starken Gegnern, dennoch zeigt sich Keller optimistisch. „Bedenkt man, dass die Untersuchungen einen gesamten Kontinent betreffen, ist die beantragte Fördersumme von 400 Millionen Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“