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Wenn zum Lachen die Kraft fehlt

as Lüneburg. Rund 1000 Allgemeinmediziner aus ganz Norddeutschland treffen sich von Freitag, 26. April, bis Sonntag, 28. April, zur Fortbildung beim „29. Seminarkongress Norddeutscher Hausärzte“ im Hotel Seminaris. Ein zentrales Thema wird die Behandlung von Burnout und Depressionen sein. Dazu können sich Patienten auch beim Gesundheitstag, der gemeinsam mit der AOK Niedersachsen am Sonnabend, 27. April, von 10 bis 13 Uhr organisiert wird, in der IHK, Am Sande 1, informieren. Die LZ sprach im Vorfeld mit Dr. Heinz Jarmatz, Landesvorsitzender der niedersächsischen Hausärzte.

Herr Dr. Jarmatz, warum stehen diese beiden Erkrankungen im Mittelpunkt der Tagung?

Dr. Jarmatz: Depression und Burnout bilden einen der Schwerpunkte des Seminarkongresses, weil diese Erkrankungen wie in vielen anderen europäischen Ländern auch zunehmend den Hausarzt in der täglichen Praxis beschäftigen und damit für die Zukunft einen wichtigen Behandlungsbereich darstellen, dem sich die Hausärzte zuwenden, um auch derzeit bestehende und zu Recht beklagte lange Wartezeiten vor einer Therapie teilweise beseitigen zu können.

Deshalb hat der Hausärzteverband zusammen mit der AOK Niedersachsen hier ein bundesweit einmaliges Projekt entwickelt und für die Praxis umgesetzt.

Wer läuft besonders Gefahr, vom Burnout-Syndrom betroffen zu sein? Und gibt es Anzeichen, bei denen man den Arzt aufsuchen sollte?

Dr. Jarmatz: Besondere Gefahr besteht für den Personenkreis, der unter unregelmäßiger Arbeit wie Wechselschichten und Doppelbelastungen (Arbeit + Familie + Pflege) steht. Wenn sich das Missverhältnis zwischen Arbeits-/Belastungszeiten und Erholungszeiten nicht mehr ausgleichen lässt, die bisherige Vitalität, Spontanität und Fähigkeit zur Freude nachlässt, sollte der Hausarzt aufgesucht werden.

Welche Möglichkeiten der Behandlung sehen Sie oder reicht es einfach aus, bei den täglichen Anforderungen im Beruf und Privatleben auf die Bremse zu treten?

Dr. Jarmatz: Meist kommen die Patienten erst, wenn alle eigenen Bremsversuche nicht gereicht haben und die Betroffenen zum Teil erhebliche Störungen in ihrer täglichen Lebensqualität und ihrem biopsychosozialen Umfeld festgestellt haben. Hier ist der Hausarzt – wie in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt – der erste kompetente Ansprechpartner für betroffene Patienten.

In den vergangenen Jahren konnte festgestellt werden, dass in der Kombination aus ärztlicher Gesprächstherapie und begleitendem Onlinetraining – über spezielle von Hausärzten mitentwickelte Programme – die Patienten das aus den Gesprächen Erfahrene dann selbst zu Hause festigen, intensivieren und erweitern können, um ihr Krankheitsbild, die auslösenden Ursachen und damit sich selbst besser zu verstehen.

Burnout und Depression, gibt es da einen Zusammenhang, kann das eine die Vorstufe für das andere sein?

Dr. Jarmatz: Dieser Zusammenhang ist zu bejahen, wenngleich die Grenzen beziehungsweise die Übergänge fließend sind. Spätestens wenn der Patient die Fähigkeit zur Freude, zum Lachen oder die nötige Kraft zur Teilnahme am bisherigen gesellschaftlichen Leben verloren hat, ist aus Burnout eine Depression geworden.

Hausärzte sind erste Anlaufstelle für Patienten, wie gut sind sie geschult, um bei seelischen Erkrankungen zu helfen?

Dr. Jarmatz: Hausärzte sind in ihrer zirka zwölfjährigen Ausbildung von Studium und Facharztweiterbildung durch den ganzheitlichen Ansatz dieser Facharztrichtung und einer zusätzlichen psychosomatischen Ausbildung gut geschult, um bei seelischen Erkrankungen zu helfen. Insbesondere dadurch, weil sie durch die Kenntnis des langjährigen biopsychosozialen Umfeldes des Patienten die Gründe für das Entstehen von Burnout und Depressionen gut erkennen können. Zudem können sie aufgrund der Kenntnis über die Persönlichkeit und die Fähigkeiten des Patienten gut eine individuelle Therapie konzipieren. Außerdem findet auch in der hausärztlichen Praxis die begleitende Anwendung von unterstützenden Onlineprogrammen immer mehr Anwendung. Die Hausärzte begrüßen, dass die AOK Niedersachsen zusätzliche Mittel zur Verfügung stellt, um das Problem von langen Wartezeiten mit der Gefahr von Chronifizierung und eventuellem Krankenhausaufenthalt zu vermeiden.