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Stippvisite in der Arbeitswelt

upo/ml Lüneburg. Gähnende Leere herrschte am Donnerstag, 25. April, in vielen Klassenzimmern in Stadt und Landkreis Lüneburg. Hunderte Mädchen und Jungen sind ausgeschwärmt beim bundesweiten „Zukunftstag“, um einen Tag lang in unterschiedliche Berufe hineinzuschnuppern – von Polizei über Stadtverwaltung und Coca-Cola bis zu den Roten Rosen war alles vertreten. In der LZ-Redaktion erfahren 13 Jugendliche, wie eine Zeitung entsteht und lernen den Arbeitsalltag eines Lokalredakteurs kennen. Fünf Kinder testen zudem für LZPlay die Karussells auf dem Frühjahrsmarkt.

Nach der Themenkonferenz um 10 Uhr und einer ersten Einweisung in die Arbeitsabläufe und Technik einer Redaktion begleiten die Mädchen und Jungen zwei Redakteure bei ihrer täglichen Arbeit – und erleben hautnah, wie ein Artikel entsteht, und zwar der über den Zukunftstag.

Im Wichernhaus erwartet Andrea Kurt die Kurzzeit-Praktikanten der LZ. In der Einrichtung finden 48 Bewohner mit psychischen Behinderungen ein Zuhause, Kurt sorgt als Ergotherapeutin für einen geregelten Tagesablauf. Wählen können die Wichernhausbewohner zwischen verschiedenen Angeboten – es wird viel gebastelt, gemalt und genäht, aber auch gekocht oder im hauseigenen Schrebergarten gearbeitet.

Am Zukunftstag haben die Wichernhausbewohner viel Besuch, denn in dem Gebäude sind zwei weitere Zukunftstag-Gruppen unterwegs. Zu ihnen zählen Jasmin Daßler und Kristina Kroening, beide 13 Jahre alt, von der Bardowicker Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule. „Meine Mutter arbeitet hier als Hauswirtschafterin, deshalb wollte ich mal in die Einrichtung reinschnuppern“, sagt Kristina.

Freude an dem Besuch der Jugendlichen hat Manfred Haller. Im Wichernhaus habe er an der Maschine nähen gelernt und male sehr viel, sagt er. Anschließend zeigt er der LZ-Gruppe sein Zimmer. „Hier fühle ich mich wohl. Das war nicht immer so in meinem Leben“, sagt er, streicht sich eine graue Haarsträhne aus dem Gesicht und blickt auf das Bild eines weinenden Jungen, das über seinem Bett hängt. Der 13-jährige Leif Marten Nitschke vom Johanneum ist beeindruckt „Es ist toll zu sehen, wie hier alle bereit sind, gehandicapten Menschen zu helfen“, sagt er über Andrea Kurt und ihre Kollegen.

Unterdessen ist Christina Spuling von der Wilhelm-Raabe-Schule mit 30 anderen Kindern auf dem Gelände der Lüneburger Software-Schmiede Werum unterwegs. Von 9 bis 16 Uhr werden die Schüler eingeführt in die Welt der Computer, Programme und mehr. „Ich interessiere mich für Computer und Internet, Mathe und Physik gefallen mir in der Schule auch. Da dachte ich, ich gucke mir Werum mal an“, sagt Christina. Sie ist beeindruckt vom großen Areal der Firma, darf Computer in Einzelteile zerlegen und selbst kleine Arbeitsschritte am PC ausführen: „Das ist alles sehr spannend.“

Eine ganz andere Welt erleben 21 Kinder im Lüneburger Theater. Da geht es nicht wie bei Werum um Zahlenkolonnen und Datenreihen, sondern um Schauspiel, Tanz und Kostüme. „Die Requisiten und Kleider nehmen unheimlich viel Raum ein. Ich dachte, das wäre alles viel kleiner“, berichtet Lara Kassat. Die Herderschülerin lauscht gespannt den Anweisungen von Choreograph Francisco Sanchez Martinez und seiner Assistentin Kerstin Kessel, die mit den acht Ballettänzern für das Stück „Seht mich an“ proben, das am 25. Mai Premiere feiert.

„Die sind alle ganz locker hier, das finde ich sehr interessant“, sagt Lara, die einfach mal hinter die Kulissen des Theaters gucken wollte. „Das hat sich voll gelohnt, wobei ich wohl lieber nicht Schauspielerin werden will. Das stelle ich mir sehr schwierig vor.“ Bisweilen lernen die Jugendlichen beim Zukunftstag eben auch, was sie nicht wollen.

Kyra Hagen, Emma Luhmann, Shirley Stolz, Lara Ellmer-Kiehn und Hannes Luhmann sind am Donnerstag mit Kameras und Mikrofonen auf den Sülzwiesen unterwegs. Zwar beginnt der Frühjahrsmarkt dort erst heute, doch das Quintett testet schon mal, ob die Fahrgeschäfte was taugen. Das Ganze filmen sie und schneiden es später zusammen. Das Ergebnis ist ab heute Mittag zu sehen auf www.lzplay.de im Internet.