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Ein Zusatzgeschäft aus Leidenschaft

ca Lüneburg. „Rückenwind fürs Wasserviertel“ nennt sich eine Broschüre, die Informationen über Städtebauförderung im Schatten von St. Nicolai liefert. Dieser Wind ist zu spüren: Wieder steckt ein Eigentümer Geld in sein aus dem 16. Jahrhundert stammendes Haus, um es zu sanieren und restaurieren. Roland Struensee hat bereits die Fassaden der ehemaligen „Bodega“ herrichten lassen. Nun folgt der Flügelbau mit seinen Schnitzereien im Gebälk und dem Vorbau. Mehr als eine halbe Million Euro investiere er ins Haus, sagt Struensee. Ohne Fördermittel von 120 000 Euro hätte er sich nicht an das Projekt herangewagt. Überdies geht er davon aus, dass die Pacht, die ihm ein neuer Wirt zahlt, die Kosten nicht wieder einspielen wird. Es ist also ein Zusatzgeschäft aus Leidenschaft für den Kulturwissenschaftler.

Seit 1865 ist das Patrizierhaus, dessen Geschichte bis 1545 zurückreicht, in Familienbesitz. Im 19. Jahrhundert habe sein Urgroßvater dort einen Laden betrieben, sagt Struensee. Aus dieser Kaufmannszeit stamme auch das prägende Regal, das sich über die Wand des Gastraumes zieht. Lagen dort einst Schokoladen in den Stiegen, schimmerten auf den Brettern zu Bodega-Zeiten Flaschen mit Bränden und Likören. In den 80er-Jahren hatte Kurt Mehnert das Lokal mit seiner Frau Helga eröffnet.

Struensee lässt sich bei den Arbeiten von der Architektengemeinschaft Henschke, Schulze und Reimers begleiten. Aus Mitteln der Städtebauförderung habe man 2010 eine Bestandsaufnahme finanziert, um Schäden zu erkennen. 2011 begann der erste Abschnitt der Arbeiten. Architekt Gunnar Schulze sagt, am vorderen Haus hätten Handwerker die Fassade saniert. Die Front zur Lünertorstraße stamme aus dem Biedermeier, wurde 1830 vor das Gebäude gesetzt. So wurden dort Fugen ersetzt, unter der Utlucht das angefressene Mauerwerk saniert und Fenster repariert.

Nun steht der Flügelbau an, der 1563 entstand. Schulze betont, man sei bei den geplanten Arbeiten selbstverständlich mit der städtischen Denkmalpflege im Gespräch. Für die Schnitzereien im Gebälk soll beispielsweise eine Farbanalyse in Auftrag gegeben werden, um den richtigen Ton zu treffen. Auch hier geht es um die gesamte Bausubstanz, zudem sollen Innenräume saniert werden. Struensee und sein Architekt rechnen mit einer Bauzeit von sieben Monaten.

Axel Röhrs hat die Gasträume gerade übernommen. Er hat bereits Zeit und Geld in das Lokal gesteckt, etwa als er fünf Wochen lang die Holzböden abgeschliffen hat. Die schimmern nun hell. Dass er die nächsten Monate mit den Widrigkeiten einer Baustelle leben muss, nimmt er hin. Vielleicht auch deshalb, weil sein Vater mit Antiquitäten gehandelt hat und er seither alte Dinge sehr mag: „Ich weiß, was auf mich zukommt.“ Und er freue sich, wenn das Haus nach und nach noch schöner werde.