Mittwoch , 28. September 2016
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Geheimagenten im Gerichtssaal

lkö Lüneburg. Axel Feldmanns Stimme hallt laut durch den Gerichtssaal. Doch heute verkündet der Richter kein Urteil, sondern liest aus dem Buch „Ein Feind ist nicht genug“ von Olaf Fritsche vor. Darin geht es um Agenten und einen Computer-Hacker, der die Welt bedroht. Vor ihm sitzt im Lüneburger Landgericht eine 6. Klasse der Christianischule und hört aufmerksam zu. „Er hat eine gute Vorlesestimme, liest nicht nur stumpf vor, sondern spricht auch die Frauenstimme hoch“, lobt die 11-jährige Emelie.

Die Idee zur Lesung am außergewöhnlichen Ort hatten die Studentinnen Navina Reschka und Isabell Kathrin Schmidt. Beide haben im Rahmen des Komplementärstudiums an der Leuphana am Seminar „Lüneburg liest“ teilgenommen. Studenten verschiedener Fachbereiche haben dabei Aktionen mit Lüneburger Schülern zur Leseförderung veranstaltet. Jan Teichmann, Leiter des Seminars, erklärt: „Es geht darum, die Schüler zu erreichen, die eigentlich nicht so gerne lesen. Ihnen wollen wir Anstöße geben.“

Die Aktion „Lesen an ungewöhnlichen Orten“ führte die Schüler in der vergangenen Woche auf den Jüdischen Friedhof und heute ins Landgericht. Die Kinder dürfen sich mal wie ein Richter oder ein Angeklagter fühlen, Probe sitzen in den Arrestzellen. Raphael und Manuel erfahren auch, wie es ist, wenn Justizwachtmeister Bernd Höbermann Handschellen anlegt.

Das Interesse ist so schnell geweckt. Darum ging es Navina Reschka: „In dem Buch kommt auch eine Figur ins Gefängnis, jetzt haben sie eine Vorstellung davon, wie das ist.“ Die Schüler sollen neugierig werden, Spaß am Lesen entwickeln, nicht nur in der Schule, sondern auch außerhalb. Bei Emelie hat es gefruchtet, sie möchte das Buch auf jeden Fall weiterlesen. Auch dem elf Jahre alten Jonas gefällt die Aktion, aber sein Lieblingsleseplatz wird das Landgericht wohl nicht: „Am liebsten lese ich Comics auf meinem Sitzsack zu Hause.“

Reschka und Schmidt werden in den nächsten Wochen noch einmal in die Schule kommen und die Aktion aufbereiten. Die Ergebnisse werden sie dann, zusammen mit denen der anderen Projekte, am 31. Mai ab 11 Uhr im T.3 des Theaters Lüneburg vorstellen.

Die Aktion ist Teil der nunmehr siebten Aktionswoche des Netzwerks Leseförderung Lüneburg unter dem Motto „Lüneburg liest!“, die offiziell erst am 27. Mai startet. Schirmherrin ist die Autorin Kirsten Boie, sie wird am 28. Mai im Glockenhaus aus ihrem Buch „Ritter Trenk und fast das ganze Mittelalter“ vorlesen. Weitere Informationen unter www.netzwerk-lesefoerderung.de im Internet.