Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Kaiser klar zum Ablegen
3208858.jpg

Kaiser klar zum Ablegen

tja Lauenburg. Lauenburgs schwimmendes Wahrzeichen, der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“, soll nicht untergehen. Und er wird es auch nicht, meinen zumindest die Experten der Schiffsuntersuchungskommission (SUK), die vergleichbar mit dem TÜV beim Auto ist. Klammheimlich inspizierten Mitarbeiter der SUK nach einem Hilferuf der Crew (LZ berichtete) zum schlechten Zustand des 113 Jahre alten Schiffes den Raddampfer. „Es gibt keine Auflagen“, versichert Werner Büker, der stellvertretende Vorsitzende des „Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums“, der den Dampfer betreibt.

Der Verein hält weiter an seiner Planung fest und geht davon aus, am 11. Mai um 10.30 Uhr fahrplanmäßig nach Bleckede abzulegen. Detlef Bülow, dem leitenden Maschinisten, der mit anderen Mitgliedern den Zustand des Schiffes angeprangert hat, wurde mittlerweile vom Vorstand nahegelegt, sich doch bitte vom „Kaiser“ vorerst fernzuhalten.

Unklar ist, mit welcher Besatzung der Kaiser ablegen soll. Wie berichtet, verweigern einige Crewmitglieder, darunter langjährige Vereinsmitglieder in leitenden Positionen wie Maschinist und Heizer, die Verantwortung für Fahrten mit dem „Kaiser Wilhelm“ zu übernehmen. In ihren Augen – und sie fühlen sich durch einen Gutachter darin bestärkt – ist es unverantwortlich, das Schiff mit seinen weggerosteten Bauteilen auf die Reise zu schicken. „Die SUK hat das Schiff zwischenbesichtigt und sieht keinerlei Veranlassung, eine Änderung der gültigen Papiere durchzuführen. Das heißt, das Schiff hat gültige Papiere“, sieht Büker keinen Grund zur Sorge. „Die von Seiten des Vorstandes in Auftrag gegebenen Maßnahmen unterstützen den Werterhalt des Schiffes“, erklärt er. So sollen unter anderem Bodenversteifungen nach dem gleichen Verfahren, wie heute Windflügel hergestellt werden, eingebaut werden.

Damit soll diese Saison überbrückt werden, um anschließend zum großen Sanierungsprogramm anzusetzen. Dazu stellt der Bund Fördermittel bereit, deren Abrufung aber an vielen Formalien hängt. Im November 2012 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags in Berlin grünes Licht für die Bereitstellung von Fördergeldern bis zur Höhe von 230 000 Euro zur Sanierung des schwimmenden Denkmals gegeben. „Da ist uns etwas richtig Gutes gelungen“, sagte damals Norbert Brackmann aus Lauenburg, der für die CDU-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss sitzt. Erstmals in der Geschichte der Republik wurde eine einzelne Maßnahme konkret im Haushaltsgesetz verankert. Doch passiert ist bisher trotzdem nichts.

Vermutlich in zwei Etappen sollen große Teile des Raddampfers erneuert werden. „Das Schiff ist mehr als 100 Jahre alt. Die damalige Auslegung des Schiffes war ein Leichtbau, um einen möglichst geringen Tiefgang zu erreichen. Es ist ein echter Oldtimer mit Bestandsschutz. Das ist das Problem. Nach den heutigen Vorschriften dürfte das Schiff nicht betrieben werden. Denn vorgegeben ist, dass Schiffe unabhängige Antriebe haben. Das heißt, zwei Schrauben oder Räder unabhängig voneinander“, erklärt Büker.

Bis zum 11. Mai sind vorerst aber keine größeren Maßnahmen mehr geplant. „Wir wollen den Dampfer nicht noch an Land holen, das ist sehr aufwendig“, sagt Wilhelm Bischoff, der Geschäftsführer des Vereins. Er sorgt sich auch nicht um eine Crew, im Gegenteil. „Es muss dazu kommen, dass unsere erfahrenen Leute jüngere Menschen anlernen. Außerdem muss ein Heizer nicht alles selbst machen, da müssen wir mehr Unterstützung bieten“, sagt er. So sieht es auch Büker. „Wir haben das Anliegen, die Region Lauenburg in der Attraktivität zu stärken. Dazu gehört auch, der nächsten Generation Kulturdenkmale zu übergeben und junge Menschen für alte Technik zu begeistern“, sagt er. Dieser Weg sei vorgeplant, es gebe 40 bis 50 Jahre alte Menschen, die an Bord einsteigen wollen, so Büker.