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Der Bomben-Entschärfer

ca Lüneburg. Der Zünder war so verrostet, dass Sprengmeister Markus Rausch ihn nicht lösen konnte. Deshalb schraubte er ihn heraus und sprengte ihn vor Ort – ohne Gefahr, dass auch der Sprengstoff in der Bombe in die Luft fliegt. Rausch ist der Mann, der Lüneburg in der Nacht zu gestern von einer gefährlichen Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkrieges befreit hat. „Es war eine amerikanische 75-Kilo-Flieger-Bombe“, sagt er. Angst habe er nicht vor seiner Arbeit, aber Respekt. Man müsse sich immer fragen: „Womit habe ich es zu tun?“ Das Risiko sei dann beherrschbar. Dass vor Jahren zwei Kollegen bei einer Bombenentschärfung in Göttingen ums Leben kamen, hat er nicht vergessen, doch davon „mache ich mich frei, um einen freien Kopf zu haben“.

Wie berichtet, hatte ein Baggerfahrer die Bombe am Donnerstagnachmittag bei Erdarbeiten An der Wittenberger Bahn entdeckt, dort soll bekanntlich ein Baugebiet entstehen. Die Polizei sperrte aus Sicherheitsgründen die nahe Friedrich-Ebert-Brücke und ließ den Zugverkehr an den Bahnlinien nach Uelzen und Dannenberg einstellen. Am späten Abend mussten dann rund 500 Menschen ihre Wohnungen verlassen, sie leben im 500-Meter-Umkreis, in dessen Mitte die Bombe gefunden wurde. Polizei und Feuerwehr räumten diesen Bereich vor der Entschärfung. Im Einsatz waren inklusive Rettungsdienst 250 Kräfte. Notquartiere hatte die Stadt in St. Stephanus in Kaltenmoor und in der neuen St.-Ursula-Schule eingerichtet.

Sprengmeister Rausch arbeitet seit sechs Jahren für den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes in Hannover. Vorher war er bei der Bundeswehr, er kennt sich aus mit Munition und Bomben. Nach einer Grundausbildung absolvieren die Spezialisten Lehrgänge, und vor allem gehen sie mit älteren Kollegen mit, um sich auf ihren gefährlichen Job vorzubereiten. Ein alter Hase sei er nicht: „Ich bin hier einer der Jüngsten.“ Bei der Entschärfung sei er nicht allein, das mache er mit einem Kollegen gemeinsam.

An Arbeit wird es ihm auch in Zukunft nicht mangeln. „Man schätzt, dass zehn bis zwölf Prozent der Bomben, die im Zweiten Weltkrieg abgeworfen wurden, Blindgänger waren“, sagt der Hannoveraner. „Aber wie viele noch im Boden liegen, wissen wir nicht.“ Denn schon in den 60er- und 70er-Jahren seien Bomben geräumt worden, doch Unterlagen dazu fehlten. Die Gefahr werde nicht kleiner, im Gegenteil: „Chemische Substanzen werden instabiler.“ Und die Sprengkörper seien ja nur für einen schnellen Einsatz konzipiert worden. Also je länger die Bomben im Boden liegen, desto größer das Risiko, dass sie explodieren.