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Die Geschichte des Kirchendachs

ca Lüneburg. Mächtig erhebt sich das Dach über dem Kirchenschiff von St. Michaelis, in seinen Ausmaßen gewaltiger als bei anderen Kirchen in der Region. Doch der Anblick, so wie wir ihn heute kennen, reicht erst ins 18. Jahrhundert zurück. Denn zuvor war das Dach der Anfang des 15. Jahrhunderts fertig gestellten Kirche dreischiffig. Die ursprüngliche Konstruktion hatte der Kirche einige Probleme beschert: Regenwasser konnte nicht gut ablaufen, im Winter drückten üppige Schneelasten zwischen den Dächern auf das tragende Mauerwerk. Nach 1720 waren die Schäden so groß, dass man befürchtete, dass die darunter liegenden Kirchengewölbe einstürzen könnten.

Doch was sollte geschehen? Reparatur oder eine neue, andere Konstruktion? Diesen Fragen geht ein Aufsatz des Bauingenieurs Dr. Bernd Adam nach, der im Heft „Denkmalpflege in Lüneburg 2012“ zu finden ist. Das schmale Buch der Schriftenreihe, die der Verein Lüneburger Stadtarchäologie herausgibt, versammelt wie gewohnt wissenschaftliche, aber gut verständlich geschriebene Beiträge zu Gebäuden und archäologischen Funden in der Stadt.

Adam zeichnet nach, wie sich Fachleute um den richtigen Weg der Dachsanierung stritten, bis sie sich auf einen Abriss und eine neue Konstruktion einigten. Zudem war es schwierig, genug Holz zu beschaffen, da in den für die Saline ausgebeuteten Lüneburger Wäldern ausreichend lange Kiefernstämme Mangelware waren. Mit Flößen brachten Schiffer passende Stämme in die Region, die sie in Bleckede abluden. Die Spuren der Transportbefestigungen lassen sich noch heute im Gebälk finden.

Mehr als zwei Jahrzehnte habe es gedauert, bis die Schäden beseitigt waren und das neue Dach auf dem Kirchenschiff lag, berichtet Adam. Wer genau hinschaue, entdecke am Turm noch Ansätze des dreischiffigen Daches.

Weitere Themen im Heft sind beispielsweise Gemälde in St. Johannis und das in Lüneburg vor Jahrhunderten verbreitete „Steinzeug Siegburger Art“, also Geschirr. Das Heft ist im örtlichen Buchhandel erhältlich und kostet 6 Euro.