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Kampf gegen giftige Raupen

kre Lüneburg. Der Eichenprozessionsspinner ist auf dem Vormarsch. Deshalb versucht der Landkreis Lüneburg nun, die Invasion der giftigen Schmetterlingsraupen aufzuhalten. Zu Lande und aus der Luft.

Den ersten Luftangriff in diesem Jahr wird der Kreis am 8. Mai von Westergellersen aus mit Hilfe eines Hubschraubers starten: In den Sprühtanks der Maschine befindet sich das Insektizid Dimilin. Ein Fraßgift, das bei den Insekten die Chitin-Synthese und damit die Häutung verhindert. „Der Pilot wird das Mittel nach einem festgelegten Routenplan über den befallenen Eichen ausbringen“, erläutert Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer und fügt hinzu: „Zeitpunkt und Wetter sind ideal zur Bekämpfung.“

Damit sich nämlich das Mittel gleichmäßig in den Bäumen verteilen kann, muss die Sprühaktion bei trockenem Wetter stattfinden. Und genau das hat der Wetterbericht für die nächsten Tage vorher gesagt – kein Regen! Dehalb geht es weiter am Freitag und Sonnabend in den Samtgemeinden Ostheide, Dahlenburg, Bleckede, Scharnebeck und Neuhaus.

Und auch vom Boden aus sollen die Krabbeltiere bekämpft werden. Das erste Mal voraussichtlich kommenden Montag in Bleckede.

Wie berichtet, können die Brennhärchen des Eichenprozessionsspinners starke Krankheitssymptome auslösen. Angefangen vom stark juckenden Hautausschlag mit Rötungen, Quaddeln und Bläschen über Entzündungen der Augenbindehaut und Reizungen im Rachen bis hin zum allergischen Schock. Ausgelöst werden diese allergischen Reaktionen durch das Nesselgift in den Brennhaaren des Prozessionsspinners.

„Besonders im östlichen Teil des Landkreises Lüneburg wurden im vergangenen Sommer über 100 Erkrankungen gemeldet“, berichtet Krumböhmer.

Deshalb hat der Landkreis in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit den Kommunen jede Meldung über Eichenprozessionsspinner akribisch aufgelistet und so eine Bekämpfungsstrategie entwickelt. Der stellvertretende Kreisverwaltungschef weiß, dass er selbst mit dieser konzertierten Aktion die Raupenpopulation allenfalls eindämmen kann. „Wir wollen die Schmetterlingsraupen auch gar nicht ausrotten, sondern der Natur soweit Luft verschaffen, dass sich das natürliche Gleichgewicht von selbst wieder einpendelt“, hofft Krumböhmer.

Ob diese Form des menschlichen Eingriffs notwendig ist, darüber gibt es in der Fachwelt durchaus unterschiedliche Ansichten: Das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) betont, dass der im Dimilin enthaltene Wirkstoff Diflubenzuron eine nur sehr geringe akut toxische Wirkung bei Säugetieren und Vögeln aufweise. Er wirke erst in sehr großen Mengen tödlich, die in der Praxis aber nicht erreicht werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Diflubenzuron als ein Produkt ein, von dem bei normalem Gebrauch keine Gefahr ausgeht. Für Greenpeace ist es ein „Pestizid ohne besonders gefährliche Eigenschaften“.

Jürgen Ludewig von der NABU-Kreisgruppe Lüneburg sieht das anders. Er sagt: „Durch den Insektizideinsatz könnten mit den Eichenprozessionsspinnern zugleich auch alle anderen Insekten in ihrer Entwicklung gestört werden.“ Er fürchtet, dass der Eichenprozessionsspinner-Befall in den nächsten Jahren dann noch steigen könnte. „Es werden nicht nur die Insekten in Mitleidenschaft gezogen, sondern direkt oder indirekt auch Vögel und Fledermäuse, die zur geplanten Einsatzzeit des Insektizids gerade ihre Jungen aufziehen – und sei es durch Nahrungsmangel. Auch sie ständen dann für das nächste Jahr nur in verminderter Anzahl als Gegenspieler zur Verfügung.