Donnerstag , 29. September 2016
Aktuell
Home | Lokales | Gemeinde bleibt lebendig
3222954.JPG

Gemeinde bleibt lebendig

rast Lüneburg. Der Bischof von Hildeheim, Heinrich Maria Janssen, schreitet unter den gespannten Blicken der Gemeindemitglieder von St. Marien rund um die neue Kirche an der Friedenstraße, besprengt die Mauersteine mit heiligem Wasser, betet und klopft dann drei Mal mit seinem Krummstab ans Portal und spricht: „Tut auf, ihr Fürsten, eure Tore, tut euch auf ihr ewigen Pforten.“ Das war am 5. Mai 1963. Genau 50 Jahre später, am Sonntag, 5. Mai, wird Weihbischof Heinz-Günter Bongartz um 10 Uhr den Festgottesdienst in der katholischen Kirche halten. Der Kirchenchor und der Basileia-Chor sorgen für die musikalische Umrahmung. Danach wird das Jubiläum 50 Jahre St-Marien-Kirche mit vielen Aktionen gefeiert.

Bauen Menschen eine Kirche aus Steinen, tun sie das aus mindestens zwei Gründen: Sie schaffen einen Ort, um zu singen, zu beten und als lebendige Steine eine Gemeinde zu sein, und sie gestalten einen Raum, in dem Gott den Menschen erfahrbar wird. So lautet das Motto des Festes „. . . weil wir lebendige Steine sind!“. Das Programm ist im Freundeskreis von St. Marien gewachsen, der sich nach Fusionierung der katholischen Gemeinden in Lüneburg, Adendorf und Amelinghausen zur Pfarrgemeinde St. Marien gegründet hatte. Die Initiatoren engagieren sich für die Identität des Lüneburger Kirchenorts St. Marien, bringen Ideen ins Gemeindeleben ein. Für den Festtag haben sie Überraschungen parat, zeigen mit Fotos, was sich baulich verändert hat in den fünf Jahrzehnten: So wurden erst später eine Orgel und ein Taufbecken angeschafft, die Fenster künstlerisch erneuert und die Kapelle umgestaltet.

Als die Gemeindemitglieder wegen Platzknappheit in ihrer Kirche an der Wallstraße einen neuen Ort suchten, fiel die Wahl auf die Friedenstraße. Dabei trugen die Gemeindemitglieder maßgeblich zur Finanzierung mit bei. Als der Grundstein für das Bauwerk zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter Maria am 12. November 1961 gelegt wurde, hatten sie bereits etwa 80 000 der knapp 500 000 Euro teuren Kirche zusammen. Ein Jahr später wurde der Bau fertiggestellt, der allerdings erst Anfang Mai 1963 offiziell eingeweiht wurde.

Renate Rudolph, die heute noch im Kirchenvorstand aktiv ist, erinnert sich: „1963 war die Kirche innen nackt. Damals wollte man keinen großartigen Schmuck in der Kirche haben, die Wände waren kahl. Erst im Laufe der Zeit änderte sich dies.“ Rainer Kunze vom Freundeskreis erklärt: „Von der Vorgänger-Kirche wurden lediglich das Turmkreuz, das heute neben dem Eingang steht, und eine große Madonna mitgenommen, die später Platz in unserer Militärgemeinde fand.“

Pfarrer Carsten Menges weiß, dass Pomp und Prunk Anfang der 1960er-Jahre bei Kirchenneubauten nicht angesagt waren: „Die Gemeindemitglieder spendeten lieber für notleidende Menschen in armen Ländern.“ Das ist auch Grund dafür, dass St. Marien eine der wenigen Kirchen ohne Glockenturm ist: „Der Glockenturm war damals zwar geplant, das Fundament wurde sogar gegossen. Doch aus Kostengründen und gemäß dem damaligen Stil der Kirche wurde darauf verzichtet.“ Dechant Menges nimmt’s mit Humor: „Eigentlich brauchen wir ja keinen Glockenturm, denn St. Johannis läutet sonntags für uns mit zum Gottesdienst.“

Eine Fotoausstellung gibt am Sonntag Einblicke in 50 Jahre Gemeindeleben. Hier sagt Renate Rudolph: „Die Gemeinde ist lebendig geblieben, wir haben viele junge Familien und sind als Gemeinde nicht vergreist wie etwa manche Gemeinde auf dem Dorf.“ Zudem stellen sich 17 Gruppen und Initiativen von St. Marien – vom Krankenhausbesuchsdienst bis zum Arbeitskreis Wohnungsnot – den Besuchern vor. Passend zum Jubiläum erscheint der von Rainer Kunze konzipierte Kirchenführer für St. Marien. Auf 52 Seiten werden die Kunstschätze der Kirche und ihre Herkunft wie auch die Geschichte von St. Marien präsentiert. Preis: 5 Euro.