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Schlaganfall – jede Minute zählt

as Lüneburg. In Deutschland ereignen sich jährlich mehr als 200 000 erstmalige Schlaganfälle. Zeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Denn nur wenn innerhalb der ersten vier Stunden nach dem Ereignis eine Behandlung eingeleitet wird, besteht die Chance, dass es zu keinen lebenslangen Behinderungen kommt. „Wenn erste Symptome wie halbseitige Lähmung von Armen und Beinen, Sprach- oder Sehstörungen auftreten, sofort den Notruf 112 wählen“, appelliert Prof. Dr. Henning Henningsen, Chefarzt der Neurologie im Städtischen Klinikum, anlässlich des Schlaganfall-Tags am Dienstag, 14. Mai. Um alle Patienten noch effizienter behandeln zu können, wurde die Stroke Unit, eine Spezial-Schlaganfall-Einheit in der neurologischen Klinik, erweitert.

Umsichtig und schnell reagiert hat Michael Winkler, der zurzeit Patient auf der Stroke Unit ist. Der 56-Jährige berichtet: „Am vergangenen Wochenende habe ich Freunden bei einem Transport geholfen. Als ich kuppeln wollte, fiel mir auf, dass ich wenig Kraft im Bein hatte, und ich verspürte ein Kribbeln im linken Bein und Arm.“ Nach kurzer Zeit waren die Symptome wieder verschwunden. Als Winkler einen Parkplatz ansteuerte und dort aussteigen wollte, konnte er plötzlich sein Bein nicht mehr belasten. „Ich habe dann zu meiner Frau gesagt: Lass uns lieber ins Klinikum fahren und das untersuchen.“

Eigentlich neige er eher dazu, solche Ereignisse nicht ernstzunehmen, räumt Michael Winkler ein. „Aber im Hinterkopf habe ich wohl die Krankenwagen mit der Aufschrift ,Schlaganfall – jede Minute zählt‘ gehabt, und meine Tochter macht eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester, dadurch bin ich für medizinische Themen sensibilisiert.“

Winklers schnelles Handeln erwies sich als sein Glück. Denn als er in der neurologischen Aufnahmestation untersucht wurde, traten die Lähmungen wieder auf. Laut Prof. Dr. Henningsen wurde sofort eine Lyse eingeleitet, mittels der der Trombus (Blutpropf) gelöst werden konnte. Dank der erfolgreichen Therapie kann Michael Winkler inzwischen wieder laufen. In weiteren Untersuchungen wird nun noch abgeklärt, was die genaue Ursache für den Schlaganfall war.

Prof. Dr. Henningsen macht noch einmal deutlich: „Sofort nach den ersten Anzeichen für einen Schlaganfall unbedingt in die Klinik, auch wenn die Symptome zurückgehen. Denn die Gefahr eines zweiten Schlaganfalls ist viel größer.“ Eine Lyse-Therapie, die als effektivste Maßnahme bei einem akuten Schlaganfall gilt, ist nur in den ersten vier Stunden nach dem Auftreten der Symptome zulässig. „Danach besteht die Gefahr, dass es zu Einblutungen im Gehirn kommt“, erläutert der Mediziner.

Im Lüneburger Klinikum werden pro Jahr 850 bis 900 Schlaganfall-Patienten behandelt. Jüngst wurde die Stroke Unit, die bisher sechs Betten hatte, um zwei zusätzliche für Notfälle erweitert und direkt in die neurologische Abteilung eingegliedert, sodass die Weiterbehandlung durch das gleiche Ärzte- und Schwesternteam erfolgt, was eine effizientere Therapie ermöglicht.

Gemeinsam mit der Sparkasse hatte die neurologische Klinik in den Jahren 2011 und 2012 eine Präventionskampagne zum Thema Schlaganfall gestartet. Mit Erfolg: Patienten reagierten schneller. Doch Prof. Henningsens Erfahrung ist auch, dass das Thema immer wieder verblasst. Deshalb sei Aufklärung wichtig. Das geschieht auch im Gesundheitsforum am Dienstag, 14. Mai, im Hörsaal des Klinikums, um 19 Uhr, wenn es heißt: „Schlaganfall – was gibt es Neues?“.