Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Polizeischutz für die Elbe
3220515.jpg

Polizeischutz für die Elbe

ml Bleckede. Langsam dreht Goliath den Kopf und verharrt. Seine dunklen Augen ruhen auf den Ufern der Elbe. Goliath macht das, was von einem Goliath erwartet wird – Respekt einflößen. Im Sattel des sechs Jahre alten Alt Oldenburgers sitzt Iris Burbidge. Beruhigend tätschelt sie den langen, braunen Hals des Hengstes. Seit Dienstag, 30. April, ist die Polizeioberkommissarin der Reiterstaffel Hannover in Bleckede stationiert, wird gemeinsam mit ihrer Kollegin Christine Sentis in den kommenden Wochen Streife reiten in der Elbtalaue im Kreis Lüneburg. Zwei weitere Beamte von der Reiterstaffel Braunschweig starten von Gartow im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg aus zu ihren Kontrollritten.

Bis Ende August sind die Polizeireiter im Biospährenreservat Niedersächsische Elbtalaue unterwegs – zum zweiten Mal nach 2012. Die Beamten sollen Besucher über die Regeln in dem Schutzgebiet informieren, eklatante Verstöße aber auch sofort ahnden. Eingerichtet worden ist das Biosphärenreservat vor mehr als zehn Jahren. Und im Laufe der Zeit hat Dr. Johannes Prüter, Leiter der Biospährenreservatsverwaltung in Hitzacker, eines gelernt: „Es macht keinen Sinn, Regeln aufzustellen, wenn es in der Fläche keine Kontrollen gibt.“

Partys am Elbestrand in der Nähe von Seeadler-Horsten, das Verfeuern von Biberburgen-Holz und wildernde Hunde – zunehmende Klagen wie diese haben Prüter aufgeschreckt, ihn das Gespräch mit Ortsvorstehern und Bürgermeistern suchen lassen. Bei ihren Überlegungen, wie das Problem in den Griff zu bekommen sei, stießen die Verantwortlichen schnell auf die Polizeireiter in der Lüneburger Heide – und auf ein positives Echo seitens der Polizeiführung. „Wir freuen uns, dass wir dazu beitragen können, diese einmalige Landschaft zu erhalten“, sagt Hauptkommissar Manfred Fricke, der den Einsatz mitorganisiert. Und die Erfahrungen des vergangenen Jahres hätten gezeigt: „Die Reiter genießen eine hohe Akzeptanz.“

Einfach ist deren Einsatz jedoch nicht immer. Polizeikommissar Oliver Lengnick war bereits im vergangenen Jahr dabei. „Vor allem an Feiertagen wie Himmelfahrt ist die Situation extrem. Teilweise fahren die Leute mit ihren Autos direkt auf die Wiesen in der Elbtalaue, sind so betrunken, dass sie kaum ansprechbar sind“, berichtet der 46-Jährige. Insgesamt überwiege zwar das Verständnis, doch vor allem Einheimischen, die es jahrzehntelang gewohnt waren, sich überall an der Elbe zu bewegen, sei nur schwer zu vermitteln, dass bestimmte Bereiche inzwischen tabu sind.

Was wo erlaubt ist, steht in dem Faltblatt „Fair zur Natur – (An)-Gebote und Regeln im Biosphärenreservat“, das die Schutzgebietsverwaltung herausgegeben hat. „Zudem werden in den kommenden Wochen unter anderem die 40 Erholungsbereiche mit Schildern gekennzeichnet, wo Besucher am Elbeufer willkommen sind“, kündigt Prüter an.

Doch auch dann wird Goliaths Blick auf den Ufern der Elbe ruhen, und Iris Burbidge darauf vertrauen, dass Goliath macht, was Goliath immer gemacht hat – Respekt einflößen.