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Die ewige Suche nach der richtigen Nummer

akm Lüneburg. Groß ist sie, ihr Äußeres gepflegt, ein Hingucker eben – die perfekte Nummer. Deutlich hebt sie sich von ihrem Untergrund ab, weist auch nachts leuchtend den Weg, unbehelligt von pflanzlichen Auswüchsen oder dekorativen Anbauten. So ist es Gesetz in Lüneburg, so steht es in der hiesigen Ortssatzung, Abteilung „öffentliche Sicherheit und Ordnung“. Die Realität sieht anders aus, klagen Lüneburgs Rettungsdienste. „Dunkle Nummer auf dunklem Grund, helle Nummer auf hellem Grund oder einfach komplett zugewachsen“, zählt Carsten Rubow vom Deutschen Roten Kreuz häufige Varianten von Hausnummern auf. Noch immer raube die Zahlensuche wertvolle Zeit, sagt der stellvertretende Rettungsdienstleiter. Zeit, die für Patienten entscheidend sein kann.

Kaum eine Hausnummer erfülle die städtischen Vorgaben, viele seien von der Straße aus nicht sichtbar, kritisiert auch Frank Maruhn, Rettungsdienstleiter beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). „Eigentümer machen sich über die Beschaffenheit ihrer Hausnummer nur selten Gedanken“, glaubt Maruhn. Warum auch, solange Pizzabote und Briefträger problemlos liefern. Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft hat festgestellt: Erst im Notfall, wenn Rettungskräfte suchen müssen, fragen und vor der Tür auf und ab fahren, werden Eigentümer einsichtig.

Zu groß scheint bei vielen das Vertrauen in die Navigationstechnik zu sein. Allerdings zu Unrecht. So fährt die Lüneburger Feuerwehr ihre Einsätze mit gewöhnlichen Navigationsgeräten. „Die führen uns nur in 50 bis 60 Prozent der Fälle direkt vor die richtige Haustür“, sagt Diesterhöft. Genauer und vor allem aktueller ist da die Digitalfunktechnik, doch die funktioniere in Lüneburg längst noch nicht flächendeckend. Und selbst wenn – auch der Digitalfunk ersetze nicht die gute alte Nummer, wie ASB-Rettungsdienstleiter Maruhn erklärt. Denn damit navigiere die Leitzentrale den Rettungswagen zwar verlässlich auf Höhe des Hauses, doch dort bestehe weiterhin Such-Spielraum. „Zum Beispiel wenn das Haus nach hinten versetzt ist“, sagt Maruhn.

Eine besondere Herausforderung für Rettungskräfte sind die vielen Neubaugebiete in Stadt und Landkreis. In den Navigationsgeräten der Feuerwehr sind die Straßen oft noch gar nicht verzeichnet, Straßenschilder fehlen mitunter, Hausnummern ebenso. „Da denkt der Bauherr nicht unbedingt als erstes dran“, meint Maruhn. Sollte er aber laut Gesetz. Lüneburgs Stadtpressesprecher Daniel Steinmeier erklärt: „Bereits vor Bezug muss die Nummer angebracht werden.“ Nur wohnen einige Eigentümer bereits in ihren Rohbauten, wie Carsten Rubow vom DRK immer wieder erlebt. „Da sollte man verpflichtend einführen, dass die vorübergehend ihre Nummer an einem Pfahl vor dem Haus aufstellen.“

Wenn das mit den Pflichten bloß funktionieren würde. Schließlich ist auch die ideale Hausnummer Pflicht – „rechtlich bindend“ nennt Steinmeier die Ortssatzung. Überprüft aber werden die Vorgaben nicht. „Wir können ja nicht jede Hausnummer kontrollieren“, sagt Steinmeier. Viel zu zeitaufwendig – vor allem bei der vielerorts guten Tarnung.