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Spielplatz für große Jungs

off Hohnstorf/Elbe. Seit Artur Wilms und sein Team nach Hohnstorf gezogen sind, hat das kleine Elbdorf seinen eigenen Binnenhafen. Eine neue Tankstelle hat eröffnet, ein Güterbahnhof den Betrieb aufgenommen, eine Rettungswache ist eingeweiht worden und ein niegelnagelneues Logistikzentrum. Innerhalb weniger Monate ist die Infrastruktur in Hohnstorf aus dem Boden geschossen – und auf acht mal zwanzig Meter ein Riesenspielplatz für Truckmodellbauer entstanden. Viel Geld und Arbeit hat die Abteilung „Truckmodell“ des Schiffs-Modell-Club (SMC) Lüneburg in ihr Miniaturwunderland gesteckt, mit einem großen Ziel: „Damit wir auch im Winter beschäftigt sind“, sagt Wilms.

Für die Schiffsmodellbauer endet die Hauptsaison normalerweise mit dem warmen Wetter, dann ist das Clubgewässer in Ochtmissen verwaist und die Zeit der gemeinsamen Ausfahrten vorbei. Doch echten Modellbauern juckt es auch im Winter in den Fingern, „und so haben wir irgendwann mit den Trucks angefangen“, sagt Wilms. Erst in einer drei mal fünf Meter großen Garage eines Clubkollegen, seit November 2011 dann in der Hohnstorfer Halle. Indoor-Parcours nennen die Profis das Gelände, auf dem zwischen Bauhof, Buddelecke, Logistikzentrum, Schüttgutanlage und Modelltrucks Kleine-Jungen-Träume wahr werden.

Warum erwachsene Männer noch mit Trucks, Baggern und Treckern spielen? Artur Wilms zuckt mit den Achseln. „Na, weil’s einfach Spaß macht.“ Als Zwölfjähriger hat der Polizist aus Lüneburg in seiner Heimat Ostfriesland die Lust am Modellbauen entdeckt, „damals noch mit Flugzeugen“, erinnert er sich. Beim SMC Lüneburg erweiterte Wilms sein Repertoire 1977 dann um Schiffsmodelle, vor wenigen Jahren kamen die Trucks dazu. Fast sein Leben lang baut er schon Modelle, sein jüngstes Projekt: ein vollhydraulischer Bagger.

Oft stundenlang sitzt der Lüneburger abends in seinem Keller und tüftelt, „wenn ich nicht aufpasse, auch schnell mal bis zwei Uhr nachts“, sagt er. Dem Polizisten und gelernten Karosserie- und Fahrzeugbauer geht es wie seinem 18 Jahre jüngeren Modellbau-Kollegen Henning Schlusnus: Nicht das Steuern der Fahrzeuge ist das Schönste an dem Hobby, sondern das Konstruieren, Erfinden, Schrauben, Kleben, Montieren, Lackieren und Austesten.

Schlusnus, 41 Jahre alt und Einrichter für Großpressen bei Mercedes, baut Modellfahrzeuge „zur Entspannung“. Der Lüneburger arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb, der Job ist laut und stressig, „da gibt es nichts besseres zum Runterkommen, als sich nach Feierabend an sein Modell zu setzen“, sagt er. Vor allem Trecker haben es ihm angetan, in wenigen Tagen wird er in Hohnstorf zum ersten Mal seinen John Deere Knicklenker ausprobieren und ihn in der Buddelecke über die Fernsteuerung Sand zusammenschieben lassen. „Das ist das Tolle an der Halle“, sagt er, „man kann mit dem Modell alles machen, was es auch im Original kann.“ Vom Auf- und Abladen von Schüttgut, über das Sortieren von Waren im Logistikzentrum bis zum Transportieren von Baumstämmen.

Doch wer wie Schlusnus und Wilms einen funktionstüchtigen Bagger über den Parcours steuern will, muss zunächst investieren: wenige hundert Euro für ein Einsteigermodell, mehrere tausend Euro für aufwendige Profifahrzeuge – viel Zeit und Liebe zum Detail in den Bau von Binnenhafen, Tankstelle, Güterbahnhof, Rettungswache und Logistikzentrum.

Mehr Infos zum SMC, der Trucker-Abteilung und Aktionen auf dem Indoor-Parcours unter www.smc-lueneburg.de