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Es spritzt aus allen Rohren

ahe Lüneburg. Wenn Werner Alpers seine Fernbedienung zur Hand nimmt, sollten sich die Menschen in seiner Nähe lieber in Sicherheit bringen. Ein wenig Abstand zum Beckenrand ist ratsam, denn für allzu neugierige Beobachter könnte der Besuch der Saisoneröffnung im Freibad Hagen sonst unfreiwillig zu einer feuchten Angelegenheit werden. Denn wenn Alpers den Hebel umlegt, schießen die Fontänen in die Höhe. Sein spritzendes Feuerlöschschhiff zählt zu den Attraktionen beim Aktionstag unter dem Motto „Matrosen ahoi“.

Drei Jahre hat Alpers an seinem Modell gebaut, das er nun mit spürbarem Stolz über das Schwimmbecken steuert. „Das Original ist das leistungsstärkste amerikanische Löschschiff, kann 10,2 Millionen Liter Wasser pro Stunde abgeben“, erzählt der 73-Jährige aus Lohbrügge. Sein Nachbau hat fünf Pumpen im Rumpf und bringt es immerhin auf 80 Liter pro Minute, die er aus dem Becken ansaugt und über diverse Schläuche in verschiedene Richtungen spritzt. So kassiert dann zum Beispiel auch der kleine Eskimo, der ferngesteuert neben dem Boot entlang paddelt, eine kräftige Dusche.

Auf der anderen Seite des Beckens stehen Wolfgang Wißmann aus Hamburg und Hans-Jochen Aurich aus Berlin und fachsimpeln. Beide sind ebenfalls Männer in der zweiten Lebenshälfte, die beim Blick auf die kleinen Schiffe wieder zu Kindern zu werden scheinen. Aurich hat vier Modelle mit nach Lüneburg gebracht, drei Schiffe und einen Truck. „Mehr gingen ins Auto nicht rein“, sagt er und lacht. Modelleisenbahnen hat er zu Hause ebenfalls. Großes in Kleinem nachzubauen, das sei für ihn pure Entspannung. „Da kann ich Abschalten vom Beruf“, erzählt der Lehrer, der häufig nach Feierabend oder an den Wochenenden Hand an seine Modelle legt. Am 1. August werde er pensioniert, „nach Dutzenden Berufsjahren“, darauf freut er sich, denn dann bleibe noch mehr Zeit für sein Hobby, das sich um die für ihn so wichtigen kleinen Dinge des Lebens dreht.

Peter Janzowski aus Bergedorf ist schon zum fünften Mal beim Matrosenfest in Hagen dabei. Sein Schoner „Valdivia von Altona“ misst stolze 1,5 Meter, hat eine Mastlänge von mehr als eine, Meter und wiegt mehr als zehn Kilo. „Das Original wurde 1868 gebaut und Ende des vorigen Jahrhunderts restauriert. Es steht heute in Flensburg“, weiß der 71-Jährige. Zwei bis drei Jahre habe er am Nachbau gearbeitet. „Eigentlich habe ich früher Modell-Hubschrauber geflogen, aber mit dem Alter lässt das räumliche Sehvermögen nach.“ Da seien die mit mehr als 100 km/h durch die Luft sausenden Modelle schnell aus den Augen verloren, deshalb suchte sich Janzowski eine Alternative. „Nichts machen ist ja auch nix. Mir tun die Leute leid, die in meinem Alter nur zu Hause vor dem Fernseher hocken oder immer in dieselbe Kneipe gehen.“ Für ihn sei das nichts, er baut lieber Schiffe, gerade hat er sein viertes in Arbeit.

Polizeischiffe, Ausflugsdampfer, U-Boote, Jet-Bikes, Fischereilehrschiffe – das Schwimmbecken gehört trotz allerbestem Freibadwetter an diesem Tag ausschließlich den kleinen Modellen, für kleine Trucks gibt es einen separaten Parcours. Viele große und kleine Besucher kommen zum Gucken, schlendern auch über den großen Flohmarkt. Nur die Schwimmfans müssen noch warten, sie können sich aber ab heute Morgen, 6.30 Uhr wieder ins Becken stürzen.