Donnerstag , 29. September 2016
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Durch den Sport fand sie zur Liebe

ina Lüneburg. Auf der Einladung für den Himmelfahrtstag sind Maiglöckchen abgedruckt. „Die blühen normalerweise am 9. Mai, meinem Geburtstag“, sagt Hedwig Henning: „Nur in diesem Jahr haben sie es wegen der Kälte noch nicht aus der Erde geschafft.“ Sie selbst wird ihren 100. Geburtstag aber aktiv mitgestalten. Von 11 bis 18 Uhr ist die Feier im MTV-Vereinslokal geplant. 58 Gäste kommen, 32 allein aus dem engsten Familienkreis. „Meine Kinder und Enkel waren fleißig“, erklärt die angehende Jubilarin lächelnd. Bezüglich der Familienplanung trifft sie damit ins Schwarze, denn ihre drei Kinder Hartwig, Rudolf und Dagmar schenkten ihr acht Enkel und die wiederum sorgten bisher für 13 Urenkel.

Als Hedwig Henning, die ihre Familie und Freunde „Hedi“ nennen, in Hamburg-Eilbek geboren wurde, stand der Erste Weltkrieg noch an, als sie ihre eigenen Kinder gebar, hielt der Zweite Weltkrieg Europa in Atem. Weil ihr ein Jahr älterer Ehemann Rudolf zum Infanterie-Regiment 47 nach Lüneburg versetzt wurde, zog das Paar an die Scharnhorst-Straße: „Während er an der Front kämpfte, fürchteten wir uns zu Hause vor den Fliegerangriffen.“ Nach Kriegsende musste die Familie innerhalb eines Jahres sieben Mal umziehen. Weil ihr Ehemann Polizist war und jede Form der „kriminellen Handlung“ vermied, „besorgte“ die damals 35-Jährige Kohlen auf dem Bahndamm, die von Transportwaggons gekullert waren, oder wühlte vergessene Kartoffeln aus den Äckern. Bereits 1948 trat die gesamte Familie dem MTV Treubund bei, denn Sport ist für die Hennings mehr als nur ein Hobby. „Meine Eltern lernten sich im Hamburger Turner-Club kennen“, sagt Sohn Rudolf. „Eine Art Sandkastenliebe, meine Mutter war erst 12 und mein Vater 13 Jahre alt.“ Die Begeisterung für das Vereinsleben wie auch ein Talent für Organisation und Geschäftsführung spiegelt sich in der Familienchronik wider: Vater und Sohn Rudolf Henning waren je rund 40 Jahre MTV-Vorsitzende, Mutter Hedwig unterstützte als gelernte Büro-Angestellte Sohn Hartwig bei Gründung und Geschäftsführung seines Unternehmens für Gebäudereinigung. Während Tochter Dagmar denselben Beruf wie ihre Mutter wählte, widmet sich auch Rudolf Henning als Steuerberater der nüchternen Welt der Zahlen.

Seit 2006 lebt Hedwig Henning im Seniorenheim der Augusta-Schwesternschaft. Gibt es einen unerfüllten Wunsch? „Ich möchte in naher Zukunft auch von der Erde gehen dürfen“, antwortet sie weise: „Weil ich merke, dass ich nicht mehr so viel wie früher machen kann.“ Die Pflege im Heim scheint diesem Plan aber positiv entgegenzuwirken, auch mit 100 ist sie hier nicht die Älteste – ihre Mitbewohnerin Elfriede Theuerkauf ist noch ein Jahr älter.