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Besatzung wirft das Handtuch

tja Lauenburg. „Das Markenzeichen des Raddampfers, seine immer fröhliche Besatzung, gibt es nicht mehr.“ Deutliche Worte von Dr. Ernst Schmidt, über Jahrzehnte Betriebsleiter des Raddampfers „Kaiser Wilhelm“. Heizer, Maschinist, Küchenmannschaft, Decksleute – die Besatzung des schwimmenden Wahrzeichens der Stadt Lauenburg wirft das Handtuch. Aus Verärgerung über die Führung des „Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums“. „Wir wissen einfach nicht mehr weiter, es ist ein Hilferuf aus unseren Seelen heraus“, sagt Schmidt, der das 113 Jahre alte schwimmende Denkmal vor mehr als 40 Jahren in die Stadt geholt hatte.

Bei der Mitgliederversammlung des Vereins wurde deutlich, wie zerstritten die Teile des Vereins sind. Da ist zum einen Geschäftsführer Wilhelm Bischoff mit dem zweiten Vorsitzenden Werner Büker an seiner Seite. Beide stehen für einen neuen Kurs in der Vereinsführung. Fünf Vorstandsmitglieder traten zum Freitag von ihren Ämtern zurück. Und dann ist da die Besatzung des Raddampfers, die die Fahrtüchtigkeit des Schiffes nicht mehr gegeben sieht und deshalb in den Ausstand getreten ist. Mittendrin stehen einfache Mitglieder des Vereins, die Helfer im Elbschifffahrtsmuseum und die Aktiven aus dem Elbschifffahrtsarchiv.

„Bei uns trägt die Besatzung die Verantwortung, hinter uns steht keine Reederei“, warnt Schmidt vor einer Havarie des Raddampfers und unabsehbaren Folgen. „Die Verlässlichkeit innerhalb der Besatzung darf nicht durch ein ,Wir müssen aber fahren‘ von Seiten Dritter beeinflusst werden“, so Schmidt. Genau das sei aber der Fall. Bischoff und Büker wollen den Raddampfer unbedingt fahren lassen. Kassenwart Markus Tonn sagte zu seinem Abschied vom Vorstandsamt: „40 Jahre habe ich voll und ganz für den Kaiser gearbeitet. Aber in den letzten zwei Jahren hat sich das Blatt gewendet, es gibt kein Vertrauen mehr. Ich werde aus diesem Verein austreten. Der Leitende Maschinist Detlef Bülow wunderte sich über eine Mitteilung des Vorstands: „Ich wusste gar nicht, dass ich aus Altersgründen aufhöre.“ Bülow hatte die Mängel am „Kaiser Wilhelm“ publik gemacht.

„Wir als Besatzung hatten schon 2012 auf gravierende Sicherheitsmängel hingewiesen, aber es wurden nur notdürftige Reparaturen durchgeführt“, so Horst Klemens. Er forderte zunächst Bükers Abwahl, zog diesen Antrag dann aber später zurück. In einem Streit hatte Büker die Besatzung als Meuterer bezeichnet, sich dafür später entschuldigt.

Wie scheinbar ausweglos die Situation des Vereins ist, macht auch die Kassenlage deutlich. 2012 wurde ein Defizit erwirtschaftet. 24 000 Euro an Einnahmen aus dem Ticketverkauf standen 28 000 Euro Betriebskosten und 11 600 Euro Instandhaltungskosten gegenüber. Die Stadt knüpfte weitere Zuschüsse jetzt an ein mit Stimmrecht ausgestattetes Vorstandsamt für den Bürgermeister.

Außerdem wurde die Satzung dahingehend geändert, dass bei einer möglichen Insolvenz des Vereins die Exponate aus dem aufwendig sanierten Elbschifffahrtsmuseum an die Stadt gehen und nicht durch einen Insolvenzverwalter zu Geld gemacht werden können.

Aufgrund der Haltung der Besatzung, mit dem „Kaiser Wilhelm“ in seinem derzeitigen technischen Zustand nicht mehr zu fahren, ist klar, dass sich der bereits für vergangenen Sonnabend geplante Saisonstart weiter verzögert. „Aktuell haben wir keine Mannschaft“, räumt Bischoff mittlerweile ein.

„Wir sind überall am Bohren und versuchen, geeignetes Personal zu finden“, sagt der Geschäftsführer des Vereins. Doch qualifizierte Maschinisten und Heizer für so eine alte Technik sind ebenso schwer zu finden wie erfahrene Decksleute. In den vergangenen Jahre hatte es entsprechende Aufrufe schon parallel zur alten Besatzung gegeben, mit nur mäßiger Resonanz. Bischoff: „Ich hoffe, dass wir irgendwann wieder miteinander reden können.“