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Ein Stück Energiewende wächst auf Versuchsfeld in Bardowick

kre Bardowick. Auf den ersten Blick sehen die Stangen aus wie ein Bund grüner Spargel. Doch was GfA-Vorstand Hubert Ringe und Thilo Schuppelius von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in ihren Händen präsentieren, ist zum genussvollen Verzehr wohl wenig geeignet. Bei dem vermeintlichen Spargel handelt es sich nämlich nicht um leckeres Edelgemüse, sondern um Pappel-Stecklinge. Mehrere tausend dieser 20 Zentimeter langen Stangen wurden jetzt auf einem Acker der GfA in Bardowick in die Erde gesetzt – Grundstock für eine sogenannte Kurzumtriebsplantage.

Freilich eine ganz besondere: Denn das rund 1,6 Hektar große GfA-eigene Areal dient zugleich auch als Versuchsfläche: „Wir pflanzen rund 30 verschiedene Sorten Pappeln an und werden dann über mehrere Jahren schauen, wie sie sich entwickeln, wie ihr Biomasse-Zuwachs ist, wie sie sich gegen Schädlinge wie den Pappelrost oder den Pappelblattkäfer behaupten,“ nennt Schuppelius Beispiele.

Schließlich hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, beim Gesamtenergieverbrauch bis 2020 mindestens 20 Prozent und bis 2050 mehr als die Hälfte regenerativ zu erzeugen. Da kommen Forschungsprojekte wie dem der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt eine ganz besondere Bedeutung zu.

Sorge, dass auf dem GfA-Gelände nun mit genmanipulierten Pfanzenklonen experimentiert wird, brauchen Anwohner freilich nicht zu haben. „Die Versuchspflanzen wurden ganz klassisch gekreuzt. Genversuche an den Pflanzen finden nicht statt“, beruhigt Schuppelius.

Der Sortenversuch findet an drei Standorten in der Bundesrepublik statt. Versuchsflächen gibt es neben Bardowick noch in Sachsen und in Hessen.

Das Projekt in Bardowick dient allen Beteiligten: Der Forstwirtschaftlichen Versuchsanstalt, weil sie eine Versuchsfläche zur Verfügung gestellt bekommen hat. Und der GfA, die das anfallende Holz als Hackschnitzel für ihr künftiges Heizwerk nutzen kann und will.

Doch bei der 1,6 Hektar großen Fläche wird es nicht bleiben: Wie berichtet, will die GfA noch weitere Flächen als Kurzumtriebsplantage nutzen: „Im Mai werden wir vier Hektar mit Weide bepflanzen“, kündigt Ringe an. Pappel und Weide werden sich dann in Konkurrenz zueinander entwickeln müssen. „Sollte sich die Pappel als die bessere Kurzumtriebspflanze zeigen, werden wir die Weide durch Pappel ersetzen.“

Allerdings sind beides Holzarten, die sich besonders gut für sogenannte Kurzumtriebsplantagen eignen. Also jene Anlagen, auf denen schnell wachsende Bäume oder Sträucher gepflanzt werden mit dem Ziel, innerhalb kurzer Umtriebszeiten Holz als nachwachsenden Rohstoff für die Energieerzeugung zu gewinnen.

Der Ertrag pro Jahr und Hektar liegt bei etwa zwölf Tonnen getrockneten Hackschnitzeln. Um diese energetisch zu verwerten, will die GfA auf ihrem Gelände ein Heizkraftwerk aufstellen. „Das kostet nicht die Welt“, hatte Ringe schon vor einigen Monaten gegenüber der Landeszeitung erläutert – „da gibt es durchaus preiswerte Lösungen“. Die GfA ist also mehr als nur eine Müllhalde – sie ist auch zum alternativen Energieerzeuger geworden. Und diesen Ruf will Hubert Ringe nun durch die Kurzumtriebsplantage noch weiter ausbauen.