Dienstag , 27. September 2016
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Ein Trio sorgt jetzt für den guten Ton

ca Lüneburg. Mit einer Ente hat Jürgen Thiele in den 80er-Jahren Boxen zu Konzerten gefahren und dort den Sound abgemischt. Aus bescheidenen Anfängen hat der Lüneburger in drei Jahrzehnten das europaweit agierende Unternehmen Profi Musik aufgebaut. „Ein Lebenswerk“, sagt er. Davon trennt man sich nicht so einfach, denn dann stellt sich die Frage: „Was wird aus meinem Baby?“ Deshalb hat Thiele schon vor Jahren angefangen zu schauen, wer von seinen Mitarbeitern als Chef infrage kommen könnte. In dreien sieht er das Potenzial, den Betrieb erfolgreich weiterzuführen. Das Trio übernimmt jetzt das Ruder in der Betriebsgesellschaft – nach einigem Überlegen.

Thiele kennt natürlich die aktuelle Debatte: In vielen mittelständischen Firmen steht kein Nachfolger bereit, weil der Nachwuchs andere Pläne hat, Mitarbeitern das Risiko zu groß erscheint oder sich kein Käufer findet. „Bei uns ist es ein Prozess“, sagt Thiele. Seine Kandidaten kennt er lange: Marc Schülert (43) ist der „Herr der Zahlen“ und seit 13 Jahren an Bord, Tobias Lange (41) ist dem Unternehmen unter anderem als Produktionsleiter seit 20 Jahren verbunden, die meiste Zeit davon als freier Mitarbeiter. Jonas Hellberg (30) ist seit 2006 dabei, schon 2010 wurde er mit in die Geschäftsführung berufen.

Als Thiele sie fragte, haben die „Youngster“ nicht sofort Hurra gerufen. Jeder hat überlegt, was er für eine Herausforderung übernimmt, dass das Projekt mit einem Berg Schulden scheitern könnte, dass bei einem Nein vielleicht aber ein größeres Unternehmen Profi Musik übernimmt und damit der eigene Job neu definiert wird. Die Drei sind froh, dass sie die Verantwortung gemeinsam tragen, jeder sei in seinem Bereich gut verankert und erfahren. Sie meinen auch, dass der Betrieb so breitgefächert ist, dass es schwer ist, jedes Detail im Blick zu behalten. Vor allem, weil sich technische Innovationen und Ansprüche der Kunden ständig verändern.

Es ist ein Übergang mit Zeit. Thiele hat seine Partner bewusst mit zu Terminen genommen, um den Nachfolgern das Geschäft zu zeigen und den Kunden die Zuverlässigkeit der neuen Führungscrew zu demonstrieren. Mit Erfolg offenbar, denn VW und die Autostadt in Wolfsburg sind ebenso bei Profi Musik geblieben wie etwa der NDR. Das renommierte Festival Jazz Baltica betreut die Lüneburger Firma nach einem Jahr der „Untreue“ nun auch wieder.

Das klingt alles sehr harmonisch, aber das war es nicht immer. „Ohne Krisensitzungen geht das nicht ab“, sagt Thiele. „Da liegen schon mal die Nerven blank.“ Auch dass die Vier über insgesamt 13 Entwürfe eines Kaufvertrages verhandelt haben, bis sie sich einig wurden, zeigt, dass der „Alte“ und die „Neuen“ unterschiedliche Interessen haben. Thiele war bewusst, dass er seine Forderung nicht zu hoch ansetzen durfte, sonst hätte er „die Jungs überfordert“. Für die Finanzierung haben sie die landeseigene N-Bank und die Gründungsbank, in der die Kammern vertreten sind, eingebunden. Dort wurde das Konzept auf Herz und Nieren geprüft und für gut befunden. Thiele selber gibt zehn Prozent der Kaufsumme als Darlehen. Zudem behält er die Immobilie Vor dem Bardowicker Tore und vermietet der Firma Räume.

Gut gefällt beiden Seiten, dass der bald 60 Jahre alte Gründer Profi Musik verbunden bleibt. Er betreibt noch eine Verwaltungsgesellschaft gleichen Namens und arbeitet als Berater weiter mit. Dabei soll er weiter Netzwerke knüpfen, Kontakte pflegen und kann seiner Leidenschaft für den Jazz frönen, wie in alten Zeiten sorgt er da für den guten Ton: „Auf Honorarbasis.“ Ins Tagesgeschäft soll und will er sich nicht einmischen.

Zwar machen Hellberg, Lange und Schülert Witze, wenn es um ihre Nachfolger geht, aber im Blick haben sie das Thema und bereits einen Kandidaten: Jürgen Thieles Sohn. Der ist erst sechs, aber findet das Musikgeschäft seines Vaters klasse. In 20 Jahren wäre er dann alt genug.