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Altenpfleger auf dem Absprung

lz Lüneburg. Viele Altenpfleger sind erschöpft, etwa jeder Fünfte denkt darüber nach, einen anderen Beruf zu ergreifen. In Pflegeheimen, in denen die Leitungen auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, ist es dagegen nur jeder Zehnte. Das ergab eine Studie des Forschungsnetzes Gesundheit der Leuphana Universität Lüneburg in Kooperation mit dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Mit rund 1000 befragten Beschäftigten aus der Altenpflegebranche ist die Erhebung die größte Studie zum Thema Gesundheit und Arbeitszufriedenheit des Personals in Pflegeheimen in Deutschland.

„Die Gesundheitssituation des Pflegepersonals in der Region um Lüneburg ist kritisch“, sagt Sabine Remdisch, Professorin für Personal- und Organisationspsychologie an der Leuphana: „Daraus resultieren nicht nur viele Krankheitstage, sondern auch ein ausgeprägter Präsentismus, also die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz gesundheitlicher Beschwerden.“ Am häufigsten klagten die Pfleger über psychische Belastungen: 30 Prozent gaben an, sich dauerhaft oder fast täglich müde, angespannt oder überfordert zu fühlen. Rund ein Viertel erklärt, mehrmals pro Woche oder häufiger an Kopfschmerzen zu leiden. Jeder fünfte Befragte berichtet, fast jede Nacht mit Problemen beim Ein- oder Durchschlafen zu kämpfen. Über die Hälfte der Befragten gab an, im vergangenen Jahr trotz Krankheitsgefühls zweimal oder häufiger zur Arbeit gegangen zu sein – rund ein Drittel sogar gegen den Rat des Arztes. Als Ursache der Überlastung nannte mehr als die Hälfte der Befragten Personalengpässe und hohen Dokumentationsaufwand. „Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass eine gute Führung den Pflegerinnen und Pflegern hilft“, betont Remdisch. Unter den Altenpflegern, deren Vorgesetzte auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten – also etwa auf gesundheitliche Warnsignale der Mitarbeitenden reagieren oder selbst in Bezug auf ihr Gesundheitsbewusstsein ein Vorbild sind -, erwägt nur jeder Zehnte den Wechsel in einen anderen Beruf.

Für ihre Studie „Organisationale Gesundheit in der Pflegebranche“ im Innovations-Inkubator der Leuphana haben Remdisch und ihr zweiköpfiges Team 1000 Mitarbeiter in 26 Pflegeheimen im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg befragt. Zudem erhoben sie in Interviews mit den Heimleitungen Fehlzeitenquoten, Fluktuationsraten und das Verständnis einer gesunden Unternehmenskultur der Einrichtungsleiter. Aktuell besprechen die Wissenschaftlerinnen die Ergebnisse vor Ort mit Heimleitungen und Pflegern.