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Wehe, wenn sie losgelassen…

kre Lüneburg. „Hexentaxi“ steht auf dem Aufkleber, der das Auto von Susanne Kollmann-Schlawinsky ziert. Doch heute Nacht wird die Dahlenburgerin ganz sicher ihr Auto in der Garage lassen und dafür den Besen aus dem Schrank holen. Denn heute, Dienstag, 30. April, ist Walpurgisnacht. Die Nacht aller Nächte, in der der Legende nach Hexen, Zauberer und Dämonen ums Feuer tanzen. Nicht nur im Harz – sondern auch in Dahlenburg. Denn dort hat sich vor 14 Jahren – am 11. 11. 1999 – der Damenkarnevalsverein „Die Hexen“ gegründet. Und Hexe Kollmann-Schlawinsky sagt selbstbewusst: „Was die im Harz können, können wir schon lange.“

33 Frauen, pardon Hexen, zählt die bunte Truppe. Wirklich Angst braucht vor ihnen aber kein Mann zu haben, auch wenn die eine oder andere verkleidet mit Umhang, Hexenhut und Besen schon zum Fürchten aussieht. Aber so soll’s auch sein, wenn die Hexen ab 20 Uhr zum Tanz ums Lagerfeuer rund um den Dahlenburger Markt einladen. Teuflisch gute Stimmung ist garantiert, dafür sorgen unter anderem die Bands „Mattis Meyer“, „Rockzipfel“ und „Bläckbetty“.

Vor vier Jahren waren die Dahlenburger Hexen zum Feiern in den Harz gefahren – „natürlich in unseren Hexenkostümen“, berichtet Kollmann-Schlawinsky. Von der Brauchtumspflege auf dem Brocken waren die gebürtige Rheinländerin und ihre Mitstreiterinnen allerdings enttäuscht: „Wir waren die einzigen, die in Kostümen gekommen waren und ums Feuer tanzten.“

Doch warum wird die Walpurgisnacht überhaupt gefeiert? Die Walpurgisnacht soll nach der an einem 1. Mai heilig gesprochenen Walburga benannt sein, einer Äbtissin aus England (710 bis 779). Der Gedenktag dieser Heiligen wurde im Mittelalter am 1. Mai gefeiert. Die neun Tage davor wurden als Walpurgistage bezeichnet, das Läuten von Glocken zur Abwehr der angeblichen Hexenumtriebe wird örtlich auch als Walpern beschrieben.

Nach altem Volksglauben reiten in der Nacht zum 1. Mai Hexen auf Besen oder Ziegenböcken auf den 1141 Meter hohen Brocken, auch Blocksberg genannt, um mit dem Teufel wilde Orgien zu feiern. Außerdem wird mit viel Geschrei der Winter ausgetrieben. Im Laufe der Jahrzehnte ist die Walpurgisnacht zu einer der größten Touristen-Attraktionen des Harzes geworden.

Goethe hat den literarischen Grundstein für die Festivitäten gelegt, als er nach seiner Brockenbesteigung im Jahr 1777 im „Faust“ das teuflische Treiben festhielt. Dass die Hexen jetzt auch in Dahlenburg ihr Unwesen treiben, wusste der Dichterfürst freilich nicht.