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Vatertag mit Boot und Bollerwagen

emi/rast/ca Lüneburg. Vatertag, Punkt 12 Uhr, beim Bootseinstieg in Deutsch Evern: „Titus“ („mich kennen alle nur unter diesem Namen“) und seine Arbeitskollegen eines Lüneburger Technik-Unternehmens sind in einem auffälligen 20-Mann-Schlauchboot unterwegs. „Das ist ein Bundeswehr-Boot aus dem Jahr 1967“, sagt Walter. „Ein paar von uns fahren schon seit 30 Jahren am Vatertag damit herum.“ Diesmal sind die Herren mit den Schnapsgläsern um den Hals von Melbeck aus gestartet, Endstation soll „Schröder’s Garten“ sein. An der Teufelsbrücke ist ein Zwischenstopp zum Grillen geplant.

Das wechselhafte Wetter kann die Männer („alle Väter, einer übt noch“) nicht schrecken, sogar eine Plane gegen den Regen fährt im Schlauchboot mit. Außerdem Fleisch, ein Grill und natürlich jede Menge Hochprozentiges. „Wir sind gerüstet“, sagt Martin, bevor die sieben mit ihrem Schlauchboot davon paddeln.

In den vergangenen Jahren hat es mehrfach Probleme mit betrunkenen Vatertagsauflüglern gegeben. Die Polizei hat sich auch jetzt wieder mit entsprechend starken Kräften darauf eingestellt. Doch am frühen Abend kann Hauptkommissarin Sabine Marben, sie war gestern Chefin der Wache in Lüneburg, eine entspannte Bilanz ziehen: „Es war absolut ruhig, keine Schlägerei, keine ernsten Ausfälle.“ Das könne sich mit steigendem Alkoholpegel allerdings noch ändern.

Am Inselsee ist um die Mittagszeit alles ruhig. Eigentlich ist der See ein beliebtes Ziel für die mit Bollerwagen und reichlich Bier und Schnaps ausgestatteten Ausflügler. Doch Geländewart Gerhard Budde vom Förderverein Inselsee, der mit den Kollegen vom Security Service Geesthacht den Zugang zum See versperrt, macht jedem Besucher sofort klar: „Baden ist heute nicht.“ Zwar hätten schon Jugendliche gefragt, ob sie passieren dürften, „aber die waren sehr höflich“. Streit habe es nicht gegeben.

Auch auf dem Parkplatz des nahegelegenen Aldi-Marktes ist um 13 Uhr nichts Auffälliges zu beobachten. Im vergangenen Jahr hatten sich dort mehrere Hundert Vatertags-Ausflügler mit reichlich Bier und lauter Musik versammelt, außerdem gab es eine Schlägerei.

Keine Schlägerei, dafür aber jede Menge Lärm verursachen zur selben Zeit rund 200 Feierwütige – die meisten unter ihnen nicht älter als 20 Jahre – am Scharnebecker Schiffshebewerk. Mit Bier, Bollerwagen und Boxen, aus denen laute Musik wummert, rufen sie die Polizei auf den Plan. Die Beamten helfen Betrunkenen von der Straße und reden auf die Feiernden ein. „Solange die sich vernünftig verhalten, verhalten wir uns auch vernünftig“, erklärt ein Polizeibeamter. Schließlich setzt sich die Gruppe in Bewegung, die Situation ist für alle Beteiligten noch einmal glimpflich ausgegangen. Auch in der Stadt sind junge Männer und ein paar Mädchen mit „rollenden Discotheken“ unterwegs – höllisch laut.

Bollerwagen, gezogen von trinkfreudigen Gesellen, sind auch andernorts zu sehen. So macht sich bereits kurz nach 9 Uhr eine neunköpfige Truppe, alle 20 und 21 Jahre alt, in Bardowick mit ihrem Luxus-Bollerwagen auf den Weg: Das Schankgefährt mit Kühlanlage und Spezialhaltern für die Flaschen mit den härteren Getränken haben sie bereits im vergangenen Jahr selbst gebaut. Angehängt an den Wagen sind zwei Grills, Harri: „Auf nüchternen Magen ist das Bier nicht gut.“ Und zusätzlich wird ein zweiter Wagen gezogen, Marvin: „Mit sieben Kästen Bier, das wird wohl reichen.“ Ihr Weg führt die neun Bardowicker nach Lüneburg, wo sie auf dem Markt und auf dem Sand Station machen und dann entlang der Ilmenau zurückkehren.