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Viele offene Fragen zum Kartoffel-Kartell

off Lüneburg. Hat ein Kartell die Preise für Kartoffeln jahrelang künstlich hochgehalten? Diese Frage beschäftigt derzeit nicht nur die Ermittler des Bundeskartellamtes, auch unter Bauern, Kartoffelhändlern und Verbandsvertreter in der Region Lüneburg wird der Verdacht illegaler Preisabsprachen zwischen den großen Verarbeitungsbetrieben derzeit hitzig diskutiert – mit unterschiedlichen Einschätzungen: Während die einen den Verdacht des Bundeskartellamtes für durchaus wahrscheinlich halten, bleiben andere vorerst skeptisch.

Als Vorsitzender des Bauerverbandes Nordostniedersachsen (BVNON) verfolgt Thorsten Riggert den Fall durchaus kritisch. „Natürlich kann ich nicht beurteilen, was an dem Verdacht wirklich dran ist“, sagt er, „trotzdem halte ich diese Art der Preisabsprachen für eher unwahrscheinlich.“ Grund sei vor allem die Marktstruktur. „Bundesweit gibt es knapp zehn namhafte Abpackunternehmen und eine Handvoll großer Lebensmittel-Einzelhandelskonzerne“, erklärt Riggert. Sollten sich die Abpacker also tatsächlich abgesprochen und überhöhte Preise durchgesetzt haben, „warum hat sich das der Lebensmittel-Einzelhandel auf Dauer gefallen lassen und nicht auf günstigere Anbieter aus dem Ausland zurückgegriffen?“, fragt der Landwirt.

Noch vor ein paar Jahren sei der Einkauf im Ausland durchaus üblich gewesen, lag der Marktanteil ausländischer Kartoffeln in Deutschland laut Riggert deutlich höher als heute. „Da frage ich mich allerdings, warum sich die deutschen Anbieter gegen ihre ausländischen Konkurrenten durchsetzen konnten, wenn die Kartoffeln tatsächlich so überteuert gewesen wären“, sagt der Bauerverbandsvorsitzende. Ungereimtheiten, die für Riggert bisher gegen illegale Preisabsprachen gegenüber den Supermarktketten sprechen. „Was am Ende der Ermittlungen herauskommt, weiß aber auch ich nicht.“

Für durchaus wahrscheinlich hält ein Kartoffel-Kartell der Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann. Schon lange kritisiert der Bienenbütteler als AbL-Sprecher ein „undurchsichtiges und marktbeherrschendes Gebaren großer Kartoffelzucht- und Kartoffelhandels-Unternehmen“. Gleichzeitig fordert er vom Bundeskartellamt, auch „den Druck der großen Lebensmittelhandelskonzerne auf die Kartoffelpreise und die Qualitätskriterien in den Blick zu nehmen und mögliche Preisdumping-Angebote in den Supermärkten unterhalb des Einstandspreises“. Offen sei zudem die Frage: Wenn ein Kartoffel-Kartell die Verkaufspreise künstlich hochgehalten hat, „gab es dann auch Absprachen, mit denen die Landwirte im Preis gedrückt wurden?“