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„Das größte Fest des Glaubens“

as Lüneburg. Mehr als 100 000 Dauerbesucher haben sich für den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag unter der Losung „Soviel du brauchst“ vom 1. bis 5. Mai in Hamburg angemeldet, knapp ein Drittel von ihnen sind zugleich auch Mitwirkende und gestalten Programminhalte. Insgesamt mehr als 2500 Veranstaltungen an zahlereichen Orten in Hamburg sind geplant – das Programmheft umfasst 620 Seiten. Es ist in eine App integriert zum kostenlosen Download unter www.kirchentag.de/app. Bei diesem gigantischen Programm sind Tipps hilfreich – die LZ befragte Lüneburger Kirchentag-Gänger.

Kirchentag-Fan ist Hans Hermann Jantzen, ehemaliger Landessuperintendent. Seinen ersten besuchte er als 16-Jähriger 1961 in Berlin, wenige Wochen vor dem Mauerbau. Auf Anfrage des Kirchenvorstands von St. Johannis begleitet er nun eine Gruppe, deren Teilnehmer aus verschiedenen Kirchengemeinden kommen, am Sonnabend, 4. Mai, zum Kirchentag nach Hamburg. Sein Vorschlag: eine Bibelarbeit mit Dr. Eckart von Hirschhausen und ein Hauptvortrag am Vormittag vom neuen Bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der über eine „Sozialethik für das 21. Jahrhundert“ spricht. Für den Nachmittag empfiehlt Jantzen das Podium Wirtschaft, bei dem das Thema „Anders wachsen“ diskutiert wird. Am Abend geht es zur musikalisch-kulturellen Veranstaltung „Soul Feel du brauchst“, an der unter anderem der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück teilnehmen.

Lüneburgs Superintendentin Christine Schmid freut sich darauf, „interessante Leute an ungewöhnlichen Orten zu Themen der Bibel zu hören“: zum Beispiel die Bibelarbeit der Völkerrechtlerin Prof. Dr. Kerstin Odenthal zur Speisung der 5000 im Thalia-Theater am Alstertor, Freitag, 3. Mai, 9.30 Uhr. In der Wirtschaftsmetropole Hamburg über Ethik im Handel nachdenken: Podium zum „Sinn des Wirtschaftens“ am Donnerstag, 2. Mai, um 15 Uhr im Michel. In der Weltstadt Hamburg über das Zusammenleben der Religionen reden: Pilgern und Preisen. Ein christlich- muslimisches Gespräch über Rituale. Im CCH, Saal 2, Marseiller Straße 2, Donnerstag, 2. Mai, 11 Uhr. Über Stärken und Schwächen im „Zentrum Inklusion“ nachdenken: Vortrag: „Eine starke Gesellschaft. Wie sieht sie aus?“. Mit Joachim Gauck und Samuel Koch. Donnerstag, 2. Mai, 11 Uhr, Halle B5 Messe.

Als Dauerteilnehmer hat sich Hendrik Lüer zum Kirchentag angemeldet, sich dafür Urlaub genommen. Der 28-Jährige ist Mitglied im Kirchenvorstand der Gemeinde Lüne, engagiert sich seit zwölf Jahren in der Jugend- und Konfirmandenarbeit und freut sich darauf, „beim größten Fest des Glaubens“ mitzufeiern. „Ich versuche, unseren Jugendlichen im Konfirmandenunterricht immer zu vermitteln, dass Kirche nicht verstaubt sein muss, und ein Kirchentag ist nun genau das Gegenteil von verstaubt. Übrigens: Zirka 45 Prozent der Teilnehmenden sind unter 30 Jahre alt“.

Lüers Tipps: Der „Abend der Begegnung“ zum Auftakt der Veranstaltung am Mittwoch, 1. Mai, bei dem Kirchen und Gemeinden die Chance haben, sich und ihre Angebote zu präsentieren. Zwischen Binnenalster und Hafencity gibt es viele Hunderte Stände und Mitmachangebote. Ein besonderer Höhepunkt für den Fan von moderner Kirchenmusik ist das Konzert der Acapella-Gruppe „Wise Guys“ am Freitag, 3. Mai, 19 bis 22 Uhr im Stadtpark. Zuvor laufen von 15 bis 18 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis in der Hauptpodienreihe „Wirtschaft – Maßstäbe verändern“ Veranstaltungen unter anderem zu den Themen „Soziale Marktwirtschaft im Griff der Finanzmärkte“ und „Wer regiert das Geld?“. Der Abschlussgottesdienst, bei dem mehr als 80 000 Menschen singen oder gemeinsam den christlichen Glauben bekennen.

Peter Mohr ist Vorstandsmitglied des Vereins Lebertransplantierte Deutschland, des größten Transplantiertenverbandes bundesweit. 1999 erhielt er selber eine Teil-Leberspende. Er ist seit 2005 mit einem Stand seines Vereins auf den Kirchentagen präsent und zwar auf dem Markt der Möglichkeiten, um über das Thema Organspende zu informieren. Außerdem sitzt er mit auf dem Podium, wenn unter anderem Weihbischof Dr. Heinz Jaschke sowie Angehörige eines Organspenders zum Thema „Organspende und Glaube“ diskutieren. Viel Zeit wird Mohr nicht bleiben, um die unzähligen Angebote des Kirchentages wahrzunehmen. Aber er empfiehlt, „unbedingt zum Abend der Begegnung am 1. Mai zu gehen wie auch zu Bibelarbeiten, weil es sehr interessante neue Auslegungen gibt“.

Der 15-jährige Domenik Jentsch engagiert sich als Teamer in der Kirchengemeinde Lüne. „Meine Mutter wollte gerne zum Kirchentag und hat mich gefragt, ob ich auch möchte.“ Das fand Domenik klasse. Seine Mutter hätte dann eine Familien-Dauerkarte besorgt, „damit mein Bruder und mein Vater auch mit können“. Der Lüneburger Jugendliche wird auf jeden Fall das Konzert der „Wise Guys“ am Freitagabend besuchen. Zudem interessieren ihn verschiedene Projekte im Zentrum Jugend wie zum Beispiel Gespräche mit Zeitzeugen wie Frank-Walter Steinmeier sowie ein Vortrag unter dem Motto „Wissenschaft als Welterklärung“.