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Biogasanlage hat amtlichen Segen

lz/pet Kirchgellersen. Vor fast genau zwei Jahren wurde das Projekt erstmals im Bauausschuss der Gemeinde Kirchgellersen vorgestellt – vorsichtig formuliert als „Überlegungen zu einer möglichen Biogasanlage Kirchgellersen“. Es folgten zähe Verhandlungen zwischen Investoren, Behörden und Politik, die Bürgerinitiative „Pro Gellersen“ nahm den Kampf gegen die Anlage auf. Jetzt haben die Investoren alle Hürden genommen: Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Lüneburg hat der Firma Bioenergie Gellersen GmbH Co KG die Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb der Biogasanlage erteilt.

Die Anlage soll bis zu rund sieben Millionen Normkubikmeter Bio-Rohgas pro Jahr erzeugen und ausschließlich mit nachwachsenden Rohstoffen – insbesondere Maissilage, Zuckerrüben und Möhren – befüllt werden. Damit wird die Biogasanlage eine der größten in der Region sein. Zum Vergleich: Durchschnittliche landwirtschaftliche Biogasanlagen mit Blockheizkraftwerk von 1 Megawatt (MW) Feuerungswärmeleistung erzeugen 2 bis 2,5 Millionen Normkubikmeter Rohgas pro Jahr. Die Anlagenbetreiberin beabsichtigt, das Biogas vor Ort aufzubereiten und dann überwiegend in das öffentliche Erdgasnetz einzuspeisen.

Die Gemeinde Kirchgellersen hatte mit dem Bebauungsplan Nr. 15 „Biogasanlage Suhrfeld“ die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Anlage geschaffen. Auf dieser Grundlage hat das Gewerbeaufsichtsamt das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz durchgeführt. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung fand entsprechend den Vorschriften nicht statt. Beteiligt wurden, so das Gewerbeaufsichtsamt, diverse Fachbehörden wie Gemeinde Kirchgellersen, Landkreis Lüneburg, Landwirtschaftskammer und Berufsgenossenschaft. Themen wie Bauplanungsrecht, Immissionsschutzrecht, Abfallrecht, Wasserrecht und Düngemittelrecht sind geprüft worden. Insgesamt, so das Gewerbeaufsichtsamt, erfülle die Biogasanlage alle Anforderungen an eine umweltverträgliche Anlage. Das gelte auch hinsichtlich ihrer Lage im äußersten Randbereich des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Westergellersen.

Wie in solchen Verfahren üblich, enthält der Genehmigungsbescheid eine Reihe detaillierter Nebenbestimmungen für die Vorhabenträgerin. Diese sollen ein hohes Schutzniveau für die Umwelt gewährleisten.

Bereits vor einem Monat hatten die Investoren mit vorbereitenden Arbeiten an der Fläche begonnen, nachdem das Gewerbeaufsichtsamt dem „vorzeitigen Beginn der Baumaßnahme“ zugestimmt hatte. Einem vorzeitigen Baustart kann die Behörde zustimmen, „wenn es absehbar ist, dass eine Genehmigung für die Gesamtmaßnahme erteilt werden kann“, so GAA-Leiterin Birgit Lensch.

„Was soll ich dazu noch sagen?“, erklärte Hartmut Glodzei, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Gellersen“. „Aus unserer Sicht hat eine Biogasanlage in einem Trinkwasserschutzgebiet nichts zu suchen. Das hat ja auch die Landesregierung erkannt.“ Die rot-grüne Regierung hatte in ihrer Koalitionsvereinbarung festgeschrieben, dass sie die Errichtung von Biogasanlagen in Wasserschutzgebieten grundsätzlich verbieten will – Gesetzeskraft hat das aber noch nicht.