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Brunnen vor Gericht

cst/ca Lüneburg. Eigentlich wäre jetzt die Jahreszeit, in der der Grapengießerbrunnen zu sprudeln beginnen könnte vor dem historischen Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) Am Sande. Doch das geplante Wasserspiel, ein Jubiläumsgeschenk des Vereins Lüneburger Kaufleute an die Stadt, liegt bis auf Weiteres auf dem Trockenen.

Gegen die im Juni 2012 erteilte städtische Baugenehmigung für das Brunnenbau-Projekt ist seit Ende Dezember vergangenen Jahres eine Klage vor dem Lüneburger Verwaltungsgericht anhängig. Wann es weitergeht, kann das Gericht noch nicht sagen, obwohl von Kläger wie beklagter Stadt alle eingeforderten Unterlagen inzwischen vorliegen. Wolfgang Siebert, Sprecher des Verwaltungsgerichtes, sagt: „Es ist kein Verhandlungstermin in Aussicht.“

Die politischen Gremien der Stadt hatten den Vorschlägen und Entwürfen der Hamburger Künstlerin Doris Waschk-Balz für den „Grapengießer“ zugestimmt. Doch Kläger Adolf Zelle befürchtet eine erhebliche Beeinträchtigung des Denkmals IHK-Fassade durch den Brunnen. Er ist Eigentümer des Hauses Am Sande 1, das in etwa ein Drittel der IHK-Fassade ausmacht. Der Brunnen soll allerdings nicht vor seinem Teil des Hauses eingangs der Heiligengeiststraße stehen, sondern am Eingang zur Grapengießerstraße auf der anderen Seite.

Gerichtssprecher Siebert sagt, das Landesamt für Denkmalpflege solle eine Stellungnahme abgeben, ob durch den Brunnen die Sicht auf das Gebäudeensemble gestört und damit der Denkmalwert der Häuser gemindert werde. Eine Äußerung der Behörde liege noch nicht vor, man rechne in den kommenden Wochen damit. Dann werde der Fall voraussichtlich im Laufe des Jahres verhandelt.

Ein Blick in Lüneburgs Geschichte zeigt: Seit dem 15. Jahrhundert sind mehrfach Brunnen vor dem heutigen Kammer-Haus errichtet worden, zuletzt im Jahr 1908 der Reichenbachbrunnen, in etwa zehnmal so groß ist wie das jetzt geplante Sprudelwerk. Der Reichenbachbrunnen wurde während des Zweiten Weltkriegs abgebaut und eingelagert, bis er vor Jahren an seinem heutigen Standort wieder errichtet wurde.

Martin Aude, zugleich Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute und Vorsitzender des eigens gegründeten Vereins Grapengießerbrunnen, bedauerte auf der Jahresversammlung des Brunnenvereins im IHK-Gebäude zwar die große zeitliche Verzögerung, betonte aber: „Unsere Motivation – und das gilt auch für den Verein der Kaufleute – hat nicht gelitten. Wir halten unverdrossen fest an unseren Brunnenplänen und freuen uns über viel Zuspruch, den wir für das Projekt bekommen.“ Und natürlich über die Spenden dafür, die sich mittlerweile auf rund 150 000 Euro belaufen. Die zur Realisierung noch fehlenden 10 000 Euro, da ist sich Aude ganz sicher, werden ebenfalls noch eingehen. Bekanntlich hatten die Kaufleute überdies zugesagt, sich auch um den Unterhalt des Brunnens kümmern zu wollen.